Monika Leutenegger

Weihnachtsfeier mit Missa brevis

Reto Schärli<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>381</div><div class='bid' style='display:none;'>7077</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Der Gottesdienst vom 25. Dezember um 10.30 Uhr in der Stadtkirche wird umrahmt vom Kirchenchor unter der Leitung von Reto Schärli mit der Missa brevis Sancti Ioannis de Deo in B-Dur von Joseph Haydn.
Der populäre Name «Kleine Orgelsolomesse» verweist auf das ausgedehnte Orgelsolo im «Benedictus», dem einzigen Satz, der eine Sopran-Solistin aufbietet. Die Komposition wurde vermutlich um 1775 für den Orden der «Barmherzigen Brüder» während Haydns Zeit als Hofkapellmeister in Eisenstadt geschrieben. Sanctus Ioannes de Deo war der Übername des portugiesischen Mönchs Johannes Ciudad (1495-1550), aus dessen Krankenfürsorge der Orden hervorging.

Der Konvent, mit dem Haydn seit seiner Jugendzeit in Wien in freundschaftlichem Verhältnis stand, besass in Eisenstadt eine kleine Barockkirche, auf deren Empore das Werk mit Haydn an der Orgel uraufgeführt wurde. Das Instrument, ein Positiv mit gerade einmal sechs Registern und ohne Pedal, kann noch heute vor Ort besichtigt und gespielt werden. Die äusserst beschränkten Mittel (ausnahmsweise nur eine Solistin, kein Solistenquartett, instrumental verstärkt bloss durch das damals übliche «Wiener Kirchentrio» mit zwei Violinen, Orgel und Basso continuo) erklären sich aus dieser Aufführungssituation, werden aber von Haydn virtuos und variantenreich eingesetzt. Ausgesprochen knapp sind insbesondere die textreichen Abschnitte «Gloria» und «Credo» gehalten durch die gleichzeitige Verwendung unterschiedlicher Textteile in den Chorstimmen. Das Werk ist der fünfte und letzte Beitrag Haydns für die Gattung der «Missa brevis», ausserdem ist es die einzige kurze Messe Haydns, die vollständig in seiner eigenen Handschrift erhalten ist. Ungewöhnlich ist der bereits erwähnte Schwerpunkt auf dem «Benedictus», darüber hinaus beeindruckt das sich anschliessende «Agnus Dei» mit grosser Dramatik und intensiver Textausdeutung: Ergreifend die Bitte «Dona nobis pacem» des Chors. Nicht zuletzt aufgrund verschiedener, die Komposition Haydns jedoch teilweise krass entstellender Fassungen wurde das Werk äusserst beliebt und bereits im 19. Jahrhundert sehr oft aufgeführt.

Die Aufführung vom 25. Dezember bringt die Originalfassung Haydns. Ergänzend singt die Sopranistin Anna Gitschthaler eine der zauberhaftesten kirchenmusikalischen Kompositionen Wolfgang Amadeus Mozarts: Es erklingt das Laudate dominum aus den Vesperae solennes de Confessore, eine Vertonung des Psalms 117 («Lobet den Herrn, alle Heiden! Preist ihn, alle Völker! Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja!»).

Der Kirchenchor St. Nikolaus freut sich sehr, die Feierlichkeiten musikalisch mitgestalten zu dürfen und wünscht Ihnen von Herzen eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!
Reto Schärli, Chorleiter
Bereitgestellt: 25.10.2019     Besuche: 78 Monat 
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