Monika Leutenegger

Dieselbe Kirche anders denken

Buch Seewald<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>117</div><div class='bid' style='display:none;'>7234</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

So der Titel des spannenden Vortrags von Prof. Michael Seewald aus Münster, bei uns im Pfarreizentrum Klösterli.
Gemeint damit, dass eine andere Kirche möglich ist, ohne dass sie dabei aufhörte, unsere Kirche zu sein. Reformen wären möglich, ohne dass die Kirche eine andere würde (im Sinn von, jetzt ist sie nicht mehr katholisch). In der Kirchengeschichte gab es immer Beispiele von Verschärfungen/Einschränkungen, aber auch das Gegenteil: von Entschärfungen. Es muss nicht, was in einer Kultur einst gewachsen ist und stimmig war, unverändert weiter gehen.

Aufgezeigt hat dies Prof. Seewald durch genaue Textbeobachtungen in Konzilstexten, im Katechismus, aber auch in Zitaten von Papst Benedikt, die er sehr genau ‘ausbeinelte’ – und so Aussagen freilegte, die gern überlesen/überhört werden. Es geht dann nicht mehr um einen Bruch von Kontinuität und Diskontinuität, wie meist kolportiert, sondern um einen Bruch zwischen Diskontinuität und Reform. Kirche wird zu einem lebendigen Subjekt, das wächst, sich verändert (zu mehr Apostolizität hinreift, wie in Unitatis redintegratio im Vaticanum II sinngemäss formuliert). In beeindruckend freier Rede im doppelten Wortsinn verging eine lehrreiche Stunde im Nu, und in angeregter Diskussion wurden die Fragen vertieft, Wünsche formuliert, Kritik geäussert. Wer sich, so Seewald freimütig, zu sehr auf den Mut der Bischöfe verlasse, sei selber bald verlassen. Ziemlich ernüchternd und anders als gemeinhin angenommen, seine Einschätzung schliesslich zum synodalen Weg in Deutschland. Wie wird es weitergehen?

Am Montag Abend (da dieser Bericht auch geschrieben wurde) stand das päpstliche Schreiben zur Amazonassynode aus. Seewald rechnet eigentlich damit, dass der Pflichtzölibat gelockert wird. Wie wird es weitergehen? Sein (Priester- und Professoren-)Kollege in Münster, der Kirchengeschichtler Hubert Wolf, fragt anders: Wird die Kirche Reformen anpacken, oder versucht sie, die Probleme auszusitzen, wie zur Zeit der Reformation? Mit allen Folgen dann… Gelingt es also, dieselbe Kirche anders zu denken, oder wird sie die Andersdenkenden ziehen lassen? Und – ob diese Strategie heutzutage noch zu ziehen vermag?
Thomas Markus Meier, theologischer Leiter,
Bereitgestellt: 30.01.2020     Besuche: 116 Monat 
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