Monika Leutenegger

Vorfreude auf den nächsten Chorauftritt

Reto Schärli<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>687</div><div class='bid' style='display:none;'>7414</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Monika Leutenegger führte ein telefonisches Interview mit Reto Schärli, dem Dirigenten des Kirchenchores St. Nikolaus.
Lieber Reto, seit dem August 2018 dirigierst Du den Kirchenchor St. Nikolaus. Welche Ausbildung hast Du für diese Aufgabe absolviert?
R. Sch.: Ich habe in Zürich mein fünfjähriges Musikstudium in Chor- und Orchesterleitung sowie Klavier absolviert; das dritte Jahr konnte ich im Rahmen des Erasmusprogramms in Wien verbringen. Den Masterabschluss habe ich im Jahr 2016 gemacht.

Welchen anderen Tätigkeiten gehst Du noch nach?
R. Sch.: Ich leite zwei Männerchöre in Wängi und Eschlikon. Zudem arbeite ich selbständig als Korrepetitor. Dabei begleite ich vor allem Sängerinnen und Sänger beim Einstudieren ihrer Lieder, die sie zum Beispiel in einer Oper singen werden. Manchmal unterstütze ich auch Instrumentalisten. Ab und zu werde ich als Gastdirigent engagiert. Die Anstellung für die drei Chöre beträgt etwa 60%. Der weitere Arbeitsaufwand ist sehr schwankend.

Nun fallen die wöchentlichen Proben des Kirchenchores und mehrere Auftritte aus. Wie wird es weitergehen?
R. Sch.: Ich rechne damit, dass wir frühestens ab dem 8. Juni wieder proben können; vielleicht auch erst nach den Sommerferien. Dementsprechend können wir auch erst wieder Auftritte bestreiten, wenn wir einige Proben durchführen konnten.

Wie bleibst Du im Kontakt mit dem Chor?
R. Sch.: Ich habe vor allem Mailkontakt. Mit dem Vorstand bespreche ich organisatorisches und mit den Chormitgliedern tausche ich mich aus. Es ist mir wichtig zu wissen, wie es allen geht. Viele gehören zur Risikogruppe und müssen zu Hause bleiben.

Gibt es eine Möglichkeit, gemeinsam oder alleine zu singen?
R. Sch.: Ich habe es mal versucht mit Zoom. Doch wegen der Zeitverzögerung kann man damit nicht proben. Und wenn ich die Chormitglieder nicht höre, weiss ich auch nicht, ob alles richtig ist. Das bringt eigentlich nichts. Um selber ein wenig zu singen gibt es von Barbara Böhi auf Youtube eine Mitmachmöglichkeit zum Einsingen. Diese findet täglich um 9 Uhr statt. Ich habe von einigen Chormitgliedern gehört, dass sie dieses Angebot nutzen und schätzen.

Welche Auftritte sind ausgefallen und was plant Ihr als nächstes?
R. Sch.: Leider ist die Schubertmesse an Ostern ausgefallen, ebenso die Stücke von Bach am Muttertag. Ende Juni würden wir gerne englische Chorwerke singen. Ob ein Auftritt dann tatsächlich möglich ist, hängt natürlich davon ab, wie viele Proben wir davor abhalten können. Zudem ist die lange Nacht der Kirchen aufs nächste Jahr verschoben worden, so dass das geplante offene Singen auch nicht stattfinden kann. Ich hoffe, dass wir dann Ende August unseren nächsten Auftritt in Oberkirch haben können mit den fünf Hymnen von Rheinberger.

Wie sieht es mit den Vorsichtsmassnahmen während der Proben und Auftritte aus?
R. Sch.: Bei den Proben im Pfarreizentrum Klösterli können wir genügend Abstand halten. Auf der Empore in der Kirche wird das schwierig, da nicht genügend Platz vorhanden ist.

Hast Du bei Deinen anderen Tätigkeiten im Moment die Möglichkeit zu arbeiten?
R. Sch.: Zur Zeit bin ich an Planungsarbeiten für das Jahr 2021 zusammen mit Christoph Lowis, dem Organisten der evangelischen Kirche in Frauenfeld. Wir möchten einige ökumenische Anlässe gemeinsam musikalisch begleiten. Dank der Coronakrise sind wir sehr früh dran. Wir planen bereits für den 8. Mai 2021, an dem das Cantars stattfinden wird. Dies ist ein ökumenisches Kirchenkulturfest. Zudem haben wir mit dem Kirchenchor zehn Auftritt pro Jahr. Dafür kann ich auch bereits etwas planen. Im Weiteren habe ich Kontakte wegen meiner Tätigkeit als Korrepetitor. Wir schauen, wann wieder geübt werden kann.

Wie erlebst Du Musik im Moment?
R. Sch.: Ich sehe, dass die Musik für viele Menschen ganz wichtig ist. Es gibt unzählige Gratisangebote auf Youtube, die sehr interessant sind. Ein befreundeter Dirigent hat mir unter anderem das Video der Philharmonie Flandern (Belgien) geschickt, bei der jeder Musiker zu Hause seine Stimme aufgenommen hat. Im Tonstudio wurde so in stundenlanger Kleinstarbeit ein ganzer Satz einer Dvorak-Symphonie zusammengebastelt. Was mir fehlt, sind die sozialen Kontakte. Gemeinsam musizieren ist für mich ganz wichtig. Ich spiele allerdings oft Klavier, was mir in dieser Zeit viel Kraft gibt. So habe ich mich mit der Situation arrangiert. Es tauchen aber schon viele Fragen über die Zukunft auf; wie wird es wohl weitergehen und wie lange dauern diese Einschränkungen noch an.

Spielst Du mehr für Dich als sonst?
R. Sch.: Ja, ich spiele viel häufiger und länger. Ich geniesse es sehr, dazu Zeit zu haben.

Wie sieht es mit Komponieren aus?

R. Sch.: Ich habe seit längerem kaum mehr komponiert. Nun mache ich dies wieder sehr häufig, was mir gut gefällt. Ich schreibe in unterschiedlichen Stilen und versuche, mir immer bewusste Herausforderungen und Fragen zu stellen.

Ändert sich der Zugang zur Musik durch die Coronakrise?
R. Sch.: Ich erlebe die Einschränkungen als eine Chance sowohl im Alltag wie für kulturelle Veranstaltungen. Vieles ist nicht mehr selbstverständlich und wird vermehrt geschätzt. Meine Hoffnung ist, dass dies so bleiben wird. Das Zwischenmenschliche hat einen neuen Stellenwert erhalten, was ich sehr positiv erlebe.

Wie werden die kulturellen Veranstaltungen Deiner Meinung nach in nächster Zeit gehandhabt?
R. Sch.: Da es oft eine lange Planungszeit gibt, wird es Zeit brauchen, bis das Angebot wieder zur Verfügung steht. Für eine Oper braucht es etwa vier bis fünf Wochen zur Vorbereitung. Da ja im Moment noch nicht geprobt werden kann, wird es sicher erst nach den Sommerferien wieder möglich sein, solche Anlässe zu besuchen. Dazu ist es allerdings nötig, dass wir eine zweite Krankheitswelle vermeiden können. Ich finde es wichtig, dass wir alle die Entscheidungen des Bundesrates mittragen und hoffentlich in nicht allzu langer Zeit wieder verschiedene Veranstaltungen durchführen können. Bis es allerdings wieder wie vor der Krise sein wird, könnte es noch lange dauern.

Gibt es neben der Musik noch anderes, was Dir in dieser Zeit Kraft gibt?
R. Sch.: Ich wohne zum Glück in einer ländlichen Gegend und geniesse die Natur jeden Tag. Der Frühling ist wunderbar und ich erhalte durch meine Spaziergänge viel Energie.

Lieber Reto, herzlichen Dank für das interessante Gespräch. Ich wünsche Dir gutes Durchhalten und weiterhin viel Freude mit Deiner Musik.
Bereitgestellt: 02.05.2020     Besuche: 148 Monat 
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