Monika Leutenegger

Auf in den Wilden Westen! Auf in die Weiten der Prärie!

Sommerlager Region Hüttwilen 2020<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>638</div><div class='bid' style='display:none;'>7548</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Und ab zu Cowboys, Indianer und vor allem Lucky Luke, der späteren Hauptperson der ganzen Woche. Unter diesem Vorsatz fanden wir am Samstag, dem 4. Juli 2020 zusammen.
Total zwanzig Kinder, acht Leiter und zwei Köche. Unser Ziel: das Sommerlager auf der Mörlialp im Kanton Obwalden.

Nach einer dreistündigen Reise mit Zug und Bus – Coronabedingt mit Maske und einigen Einheiten des Hände-Desinfizierens – kamen wir schliesslich bei unserem Lagerhaus an. Dort war erstmal Zimmer einrichten und Gepäck ausladen angesagt. Nach verschiedenen Spielen fürs gegenseitige Kennenlernen gab's dann bereits das erste Mal Znacht. Doch der Tag war noch lange nicht vorbei. Denn: Lucky Luke hatte seinen ersten grossen Auftritt. «Die Daltons haben mein Pferd gestohlen», teilte er der Kinderschar mit. Und diese musste er nicht zwei Mal bitten. Sofort waren sie bereit mitzuhelfen und Lucky Lukes Pferd zurückzuerobern. So versuchten wir uns an jenem Abend in der Goldwäsche, unter der Anleitung eines erfahrenen Goldgräbers. Und tatsächlich: Am Ende des Tages hatten wir einen hübschen Batzen zusammen. Im Normalfall hätte dieses Gold auch gereicht, bei den bösen Daltons das geliebte Pferd zurückzukaufen. Hätte! Denn noch am selben Abend – just vor der Nachtruhe – stürmten zwei Daltons das Esszimmer und klauten uns vor versammelter Mannschaft das Geld weg! Pferd weg, Geld weg – was nun?

Am nächsten Morgen präsentierte Lucky Luke seinen Plan. Mit Fallen und Fangtechniken wollten wir künftig die Daltons überlisten. Doch das nötige Know how mussten wir zuerst erlernen. Wir taten dies in einem grossen Geländegame. Stundenlang erledigten die Kinder verschiedene Aufgaben, um so in den Gruppen ihre eigene Kampfwaffen und Fallen herstellen zu können. Schliesslich hatte jeder einen eigenen Bogen und ein eigenes Blasrohr gebastelt. Und: Bis zum Abend hatten wir uns auch in Lasso- und Fesseltechniken geübt. Sollten sie doch nur nochmals kommen, die fiesen Daltons! Ob in der Nacht vielleicht gar ein Dalton in eine Falle tapst?

Plötzlich weckte uns ein lauter Hilfeschrei mitten in der Nacht. Etwas verschlafen näherten wir uns den aufgestellten Fallen. Und tatsächlich – eine Falle hatte zugeschnappt. Doch dann der Schock: Es war kein Dalton, der sich in der Falle verfangen hatte! Sondern nur ein hilfloser Indianer. Rasch halfen wir dem armen Tropf aus seiner misslichen Lage. Er habe eine Waldparty besuchen wollen, teilte er uns mit. Ganz in der Nähe gehe die Post ab! Und das ging sie auch, als wir uns Minuten später – bei vollkommener Dunkelheit – bei der Waldparty einfanden und dort ausgelassen feierten, bevor es zurück ins Bett ging.

Die Waldparty steckte dem einen oder anderen noch in den Knochen, als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Indianerdorf machten. Der Indianer aus der Nacht hatte uns zu seinen Leuten eingeladen. In Gruppen kochten wir dort über mehreren Lagerfeuern einen feinen Zmittag, angeleitet vom Indianerhäuptling. Das Leben der Indianer gefiel uns so sehr, dass wir uns entschieden, auch über Nacht bei den Indianern zu bleiben. Nachdem wir am Nachmittag Tipis und Zelte aufgebaut hatten, klang der Abend mit Gesang am Lagerfeuer langsam aus. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden trotzte in der Folge im Schlafsack den tiefen Temperaturen, welche in jener Nacht vorherrschten.

Dann war's bereits Dienstag. Wir bauten unser Nachtlager ab und marschierten zurück zum Lagerhaus. Doch so schön die Reise zu den Indianern auch war – das Pferd von Lucky Luke hatten wir noch immer nicht zurück. Und den Daltons waren wir noch kein Stück nähergekommen. Der gnädige Indianerhäuptling hatte Verständnis für unsere Notlage. So veranstaltete er am Abend eine Talent-Show. Mit packenden Shows konnten die Kinder Gold verdienen. Sie gaben alles. Tanzten, spielten Theater oder versuchten sich in spontanen Comedy-Einheiten. Tatsächlich: Der Häuptling war begeistert und entlöhnte uns mit einem ordentlichen Batzen. Doch damit noch nicht genug. Er nannte uns sogar den Ort, an dem er die Daltons zuletzt erspäht hatte. Schnell waren wir uns einig: Dorthin mussten wir morgen unbedingt.

Gesagt, getan. Mit Sonnencreme, Wanderschuhen und Lunch ausgestattet, machten wir uns auf den Weg. Ob uns die gemütliche Wanderung mit malerischem Blick auf den Sarnersee zu den Daltons führen würde? Tatsächlich. Doch nur nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es gelang den Daltons tatsächlich, mitten auf der Strasse ein Lagerkind zu entführen und vor den Augen aller Kinder davonzufahren. Zwar liessen sie das Kind nach 200 Metern wieder frei. Doch die Aufregung war perfekt. Zurück im Lagerhaus gönnten wir uns am Wellnessabend die verdiente Entspannung für Körper und Geist.

Am nächsten Morgen hatten wir dann genug. Wir hatten genug davon, von den Daltons an der Nase herumgeführt zu werden. Jeden einzelnen Tag. Deshalb unser Plan: Wir durchkämmen das Gebiet ums Lagerhaus weitläufig und halten Ausschau nach den Daltons. Wir taten dies mit einer Schnitzeljagd. Nur wenige Minuten vom Lagerhaus entfernt sahen wir, wie sich die Daltons im Wald ihr eigenes Lager installiert hatten. Wir einigten uns darauf, die Daltons aber erst bei Dunkelheit und mit einem guten Plan zu überfallen. Bis dahin hatten wir noch einen Nachmittag lang Zeit, uns mit Spielen wie «Amerikanische Bulldogge» oder «Rüebliziehen» körperlich auf die Herausforderung vorzubereiten.

Bei Anbruch der Dunkelheit schlichen wir uns den Daltons dann an. Näherten uns in verschiedenen Gruppen von allen Seiten, kesselten sie ein und nahmen zwei der drei Bösewichte gefangen. Was für ein Erfolg! Die darauffolgende Nachtübung bestand unter anderem aus einem Grusel-Weg. Alle überstanden ihn unbeschadet – und fanden stattdessen auch noch den dritten Dalton. Freude herrscht!

Am Freitag gelang es uns dann endlich, das Pferd des Lucky Luke zurückzuerobern. Wir mussten dafür aber noch einen Sportwettkampf gewinnen. Denn: Die Daltons hatten den Veranstaltern das Pferd verkauft – und diese boten es als Hauptpreis an. Natürlich schnappten wir uns diesen Preis, sodass wir das Pferd wieder an Lucky Luke übergeben konnten. Die Daltons – noch immer bei uns in Gefangenschaft - verdonnerten wir im Lagergericht zu einer angemessenen Strafe. Der darauffolgende Abend stand ganz im Zeichen im der Abschlussfeier, bei der wir einmal mehr ausgelassen Party machten.

Und einmal mehr blicken wir auch bereits wieder zurück auf eine actionreiche Woche mit vielen Höhen und Tiefen. Denn am Samstag nach der Abschlussparty brauste unser müdes Trüppchen wieder mit Zug und Postauto nach Frauenfeld, um sich dort den wartenden Eltern in die Arme zu werfen. So bleibt uns hier nichts anderes übrig als «Danke!» zu sagen – danke für ein weiteres tolles Kapitel «Sommerlager Region Hüttwilen».
Wohin es uns wohl im nächsten Jahr verschlägt?
Noël Brühlmann
Bereitgestellt: 09.07.2020     Besuche: 46 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch