Monika Leutenegger

Aufbauende Bibeltexte

Ger&uuml;st H&uuml;ttwilen  <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Thomas&nbsp;Markus&nbsp;Meier)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>752</div><div class='bid' style='display:none;'>7673</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Unsere Kirche kennt eine Leseordnung, so sollen verschiedene biblische Texte zu Gehör kommen. Und es fordert die Predigenden heraus, nicht ihre Themen zur Sprache zu bringen, sondern mit den biblischen Texten zu ringen, sich selber herausfordern zu lassen.
Natürlich gibt es Ausnahmen: Bei Beerdigungen oder Hochzeiten gilt es, passende Stellen zu finden. Oder beim Neujahrsgottesdienst in Thundorf steht traditionell die Jahreslosung zur Auslegung. Am Bettag heuer durfte ich beim Anlass der Stadt beim Soldatendenkmal sowie bei der Bettagsandacht in Hüttwilen dem Anlass entsprechende Bibeltexte suchen. Im Nachhinein entdecke ich einen roten Faden: Beide Male geht es um den Tempel in Jerusalem.

«Neue Normalität»
Coronahalber ist oft von einer neuen Normalität die Rede. Gemeint: Wir sind in einer Ausnahmesituation. So wie es Israel im Exil war. Der Prophet Ezechiel gehörte zur ersten Welle der Verschleppten und er warnt davor, einfach zu glauben, irgendeinmal werde schon alles wieder wie früher. Nein, meint er, die erste katastrophale Verschleppung wird nicht die letzte sein. Und in der Tat: zehn Jahre später schlagen die Babylonier nochmals zu, nun werden Stadt und Tempel zerstört. Jetzt ist nicht mehr Warnen und Mahnen angesagt, sondern trösten. Ezechiel träumt vom Wiederaufbau des Tempels. Aus dem Heiligtum wird neues Wasser quellen, das Heilung bringt. Und dieses Wasser wird zum mächtigen Strom, der ins Tote Meer mündet und es gesunden lässt, lebendig machen wird. Dass wieder Fische sich tummeln, und Fischer ihre Netze auswerfen können. Die Vergangenheit aber wird nicht gänzlich ausgelöscht; wenige Salztümpel bleiben – zur Salzgewinnung. Neben der Gesundheit bleibt auch die Wirtschaftlichkeit im Fokus. Neue Normalität hiesse so, vergangene Erfahrungen fruchtbar machen für eine erneuerte Zukunft.

Gerüste
Unter Esra und Nehemia sollten die Verbannten zurückkehren dürfen; Stadt und Tempel wieder aufgebaut. Für die Bettagsandacht in Hüttwilen machte ich mich auf eine Spurensuche nach «Gerüsten» in der Bibel. Steht doch noch ein grosses Gerüst im modernen Kirchenbau, damit im hohen Dach notwendige Erneuerungen gemacht werden können. Als der Tempel wieder errichtet ist, kann das religiöse Leben in Jerusalem mit dem Tempelkult erneut starten. Aber es werden auch neue Formen überliefert. So eine grosse Freilicht-Wortgottesfeier beim Wassertor. Von einer Kanzel aus, im Hebräischen steht hier eben «Migdal»: «Gerüst», wird aus der Heiligen Schrift vorgelesen und ausgelegt. Das Gerüst steht hier für eine geistliche Erneuerung. Auch die Gemeinschaft soll umgebaut werden, neu ausgerichtet auf die Botschaft Gottes. Denn diese droht immer wieder, im Alltagsgeschäft verloren zu gehen. Das war schon beim ersten Tempel der Fall. Bei einer Renovation, von Gerüsten steht hier nichts, aber es wird sie wohl gebraucht haben, finden die Bauleute eine Schriftrolle, die vergessen gegangen war. Das führt zu einem religiösen Neuaufbruch.

Gerüstet
Migdal wird oft auch mit «Turm» übersetzt. Bekannt aus dem Neuen Testament die Ortschaft «Turm» (vergleiche unser Rotenturm). Aramäisch: «Magdala». Bekannt von der berühmten Maria aus Magdala, Maria Magdalena. Ein sprechender Name: Sie wurde zu einem Leuchtturm der frühen Kirche. Gerüste können zum Leuchtturm werden. Umbauen, Erneuern, auch Instandhalten, als Orientierungshilfe in die Zukunft hinein. Wer offen bleibt für Erneuerung, Veränderung, ist im besten Sinn gerüstet, das Leben zu bestehen. Auch die Kirchgemeinde FrauenfeldPLUS hat derzeit einige Gebäude eingerüstet, prominent auch in der Altstadt. Denn auch als Pfarrei und Kirchgemeinde rüsten wir uns immer wieder neu, um nicht einfach in einer Normalität zu bleiben, sondern weiterzugehen, an der Zukunft zu bauen.
Thomas Markus Meier, theologischer Leiter,
Bereitgestellt: 25.09.2020     Besuche: 84 Monat 
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