Monika Leutenegger

Minis, Firmanden und die Wilde 13

Miniplausch 2020 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Thomas&nbsp;Markus&nbsp;Meier)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>762</div><div class='bid' style='display:none;'>7748</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Ein «Ferien(s)pass» tröstete die Ministrantenscharen für die ausgefallene grosse Reise nach Paris.
Ein Angebot war ein Kinobesuch. Gezeigt wurde die Verfilmung von Michael Endes «Jim Knopf und die Wilde 13». Dass Jim Knopf in 33. Generation von Kaspar, einem der drei Könige abstammt, ist eine der hintersinnigen Reflexionen des Kinderbuchautors. Sehr lange übersehen/überlesen wurde aber vor allem, dass der Roman subtil die Erfahrungen mit Nazideutschland reflektiert («für nicht reinrassige Drachen verboten»). Wasser- und Feuerwesen, die einander spinnefeind sind, kämen eigentlich glänzend miteinander aus, wären sie nicht auf Feindschaft hin erzogen und geschult worden. Wer das ihm Fremde persönlich kennen lernt, verliert/verlernt Abneigung und Vorurteile.

Steuerruder
Eine echte Herausforderung für den Schiffskapitän ist es, sein Schiff einfach treiben zu lassen, den Wellen zu übergeben. Nur so würden sie die Piraten der Wilden 13 aufspüren können. Im Normalfall ist es ja nachgerade so, dass der Steuermann das Ruder in der Hand hält. Wo nötig, das Steuer herumreisst. Auch in unserem Leben wollen wir uns nach einem Kompass ausrichten. Nicht plan- und ziellos daherschaukeln. Und doch: Es gibt Situationen, da wir uns dem Geschehen überlassen. Religiös gesprochen, der Providenz, der Vorsehung. Pro-videnz, nota bene, vielleicht besser so übersetzen, wie wir «pro» auch sonst verdeutschen: «für». Vorsehung wäre weniger ein Vorhersehen Gottes, sondern ein «Für-sehen». Gott schaut für uns. Er schaut dafür, dass es gut herauskommt. Dann und wann auch ohne unser Zutun. Dass wir uns seiner Fügung überlassen, nicht selber steuern wollen, was sich unserem Zutun entzieht. Gewiss: Dass sei kein Freipass fürs Hände verschränken. Aber eine Ermutigung, dort, wo uns die Hände gebunden sind, es geschehen zu lassen. Vertrauensvoll. Bildlich waren auch dem Kapitän die Hände gebunden. Respektive, als er ins Steuerrad greifen will, merkt er, dass er hier nicht steuern kann, dass es festgebunden ist. Paulus schreibt in einem seiner Briefe so: Wir können pflanzen, andere giessen. Aber wir müssen es auch wachsen lassen. Geschehen lassen. Nicht alles ist planbar, nicht alles lässt sich organisieren, bestellen, bezahlen…

Firmkarte
Die eigens für unsere Firmanden gestaltete Karte spielt mit alten Seekarten, sogenannten «Portulanen». Für unser Auge ungewohnt, zeigen sie nicht rechtwinklig sich kreuzende Längen- und Breitengrade, eine normierte, «gehäuselte», karierte/kartierte Welt, sondern mittig eine 32 strahlige Kompassrose, umgeben von einem Kranz von 16 weiteren Windrosen. Das gibt ein unzähliges Geflecht von sich schneidenden Linien, Windrichtungen. Egal, woher der Wind weht, irgend eine Linie liegt auf Linie, zeigt landwärts. Es gibt nicht die Richtung, die Lösung, sondern für jeden Einzelfall einen gangbaren, respektive schiffbaren Weg. Zum goldenen, weisen Drachen geworden, warnte auch Frau Mahlzahn in der (Kinder-)Buchverfilmung vor einfachen Lösungen, Antworten. Dass jeder der wilden dreizehn (eigentlich sind es einer weniger) Zwölflinge von Jim Knopf einen Namen erhält, würdigt den Einzelfall, entzaubert das Kollektiv, die Macht der Masse. Und verzaubert die Räuber vom verbrüderten Kumpanen zum echten Menschenbruder. Ob hier nicht auch das jesajanische «Ich habe dich bei deinem Namen gerufen» anklingt?
Thomas Markus Meier, theologischer Leiter,
Bereitgestellt: 15.08.2020     Besuche: 78 Monat 
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