Von Klugheit und Fifty Fifty

Tag derV&ouml;lker 2020 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Thomas&nbsp;Markus&nbsp;Meier)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>771</div><div class='bid' style='display:none;'>7811</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Am Tag der Völker waren in St. Anna verschiedenste Sprachen zu hören, von Aku Porcaia bis Spanisch. Und gesungen wurde lateinisch, griechisch, französisch, italienisch, deutsch…
Das Sonntagsevangelium wurde auf Spanisch verkündet. Doch es dürfte allen bekannt gewesen sein: Das berühmte Gleichnis von den fünf klugen und fünf törichten Jungfrauen. Die Klugen hatten vorgesorgt und Reserveöl für ihre Lampen, die Törichten mussten draussen bleiben. Eine Erfolgsquote von 50%. Eigentlich bescheiden.

Die Zeiten sind heute ungewohnt anders. Es gibt eine fixe Obergrenze von 50 Gottesdienstteilnehmenden. Vorsorge höchstens so möglich, eben möglichst früh zu kommen. Wer aber überzählig ist, kann wenig dafür. So aber, wie die verschiedenen Sprachen kaum verstanden wurden, war immer zu wissen, wo stehen wir im Gottesdienst, und was in etwa dürfte in fremder Zunge gebetet werden. Wir sind dabei, auch wenn wir nicht alles verstehen. Weiterdenkend können wir sagen: Auch wer es nicht hinein geschafft hat, kann dabei sein, auch wenn wir nicht alles verstehen, nicht wirklich vor Ort dabei sind.

Mit anderen Worten: Es ist eine neue spirituelle Klugheit gefragt. Wenn es Platz für mich hat, darf ich das dankbar als Geschenk annehmen. Wenn es für einmal zu viele Leute hat, und ich draussen bin, so bin ich nicht wirklich ausgeschlossen vom ‘Hochzeitsmahl’. Der Bräutigam, Christus, kommt zu mir auch ausserhalb der Liturgie. Ein alter Merksatz sagt: «ecclesia supplet» – die Kirche ergänzt. Die betende Gemeinschaft im Kirchenschiff betet auch für die draussen. Wörtlich und übertragen. Mal preicht es mich, dass ich keinen Einlass mehr finde, aber es war eben doch ein Versuch wert. Und dann darf ich mein Licht daheim, unterwegs, ein andermal anzünden. Und bis jetzt war es glücklicherweise so, dass das Verhältnis besser war als Fifty Fifty.

Es kommt immer auf den Blickwinkel an. Stichwort «Tag der Völker»: Die ganze Welt sitzt punkto Pandemie im gleichen Boot. Und mit den Restriktionen hierzulande haben wir eigentlich gar kein schlechtes Los gezogen. Gelassenheit: eine kluge Haltung.
Thomas Markus Meier, theologischer Leiter,
Bereitgestellt: 30.08.2020     Besuche: 42 Monat 
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