Monika Leutenegger

IMPULS - Keine Drauf-los-Nachricht

Gebet_EnginAkyurt_Pixaby-4675541_1920 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Engin&nbsp;Akyurt&nbsp;-&nbsp;pixaby)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>809</div><div class='bid' style='display:none;'>7975</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Eine Zeitlang versuchte ich, wegen einer Haushaltauflösung noch durchaus Brauchbares zu versteigern. Auf den entsprechenden Plattformen musste ich jeweils den Hinweis platzieren: «Bitte keine Sprachnachricht!». Ohne modernes Smartphone hätte ich sie gar nicht abhören können…
Als mich viel später auf dem Pfarrei-Handy erstmals eine Sprachnachricht erreichen sollte, wusste ich beim Absender nachfragen, wie ich das nun öffnen und hören könne. Ich muss gestehen, seit ich sie abhören kann, mag ich Sprachnachrichten noch viel weniger. Ich gehörte immer zu den Leuten, die ungern auf einen Telefonbeantworter sprachen, nach der Ansage lieber aufhängten und es ein zweites Mal probierten. So in den Äther reden, zeitverzögert, respektive dem Abhören voraus, ist nicht meine Sache. Irgendwie kommt es mir manchmal etwas gar einfach vor. Locker mal die Nachricht loswerden, schwupps ist die Info weg und der Empfänger kann schauen, was er damit macht. Beim Formulieren eines Mails muss sich schon mehr studieren, kann korrigieren, gebe mir sozusagen «mehr Mühe».

Das Judentum kennt die Idee des «Kawwana», der meditativen Einstimmung ins Gebet. Der oder die Betende betet nicht einfach drauf los. Sondern geht zuerst in die Stille. Klopft an. Betet dann. Das Gebet ist nicht einfach eine «Drauf-los-Sprachnachricht» (beim Stossgebet mag das
so sein), sondern ein In-sich-Gehen. Mich ausrichten nach Gott. Hörend. Ohne viele Worte. Und tatsächlich wohl formuliert. In der Liturgie beten wir so: Die Gebetsaufforderung «Lasset uns beten!» (oremus) ist die Einladung zur Stille, zur inneren Ausrichtung. Und dann wird wohl formuliert gebetet. Sprache ausgerichtet auf Gott.

Thomas Markus Meier, theologischer Leiter
Bereitgestellt: 01.01.2021     Besuche: 79 Monat 
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