Monika Leutenegger

Spiritual Care im Alterszentrum

Grandma Seniorin <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Pixaby/Tania&nbsp;Van&nbsp;den&nbsp;Berghen)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>117</div><div class='bid' style='display:none;'>8011</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Für ethisch/seelsorgerische Fragen in der Palliative Care gibt es eine Vielzahl von Handlungsansätzen. Ein Erfahrungsbericht aus dem Alterszentrum Stadtgarten der Bürgergemeinde Frauenfeld.
Seit 2020 bin ich als Vertreter des Seelsorgeteams der katholischen Pfarrei St.Anna in der Ethikkommission des Stadtgartens. In der Palliative Care, der Betreuung und Pflege von Menschen im letzten Lebensabschnitt kommt der Spiritual Care, der spirituell/seelsorgerlichen Begleitung in Spitälern und Alterszentren eine besondere Bedeutung zu.

Bei meinem ersten Weiterbildungskurs in Palliative Care im Stadtgarten im Februar 2020 habe ich einen ersten Einblick bekommen, wie interessiert und engagiert alle Beteiligten dabei sind. Bewegend ist für mich, welche grosse zwischenmenschliche Liebe und auch welcher starke spirituell/religiöse Glaube dabei völlig unabhängig von den individuellen Glaubensvorstellungen der Einzelnen zu spüren ist. Etwa wenn Pflegende erzählen, dass sie unmittelbar nach Eintritt des Todes das Fenster öffnen, damit die Seele des/der Verstorbenen das Zimmer verlassen kann.

Wie schwierig die Frage nach dem Wie der Palliative Care sein kann, wurde mir erst richtig klar, als ich bei einer Sitzung der Ethikkommission anhand der Erfahrung mit einer anderssprachigen Bewohnerin erfuhr, vor welche auch interkulturellen Herausforderungen die Leitung und die Pflegenden gestellt sein können. Die von Demenz betroffene Dame befand sich in der letzten Phase ihres Lebens und konnte/wollte keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Während den Besuchen der beiden Söhne, wurde die Mutter von ihnen liebevoll «zwangsernährt», da in ihrer Kultur das Verständnis vorherrscht, dass, solange ein Mensch noch isst, es ihm gut geht. Auch schwierig vereinbar mit unseren hiesigen, ethischen Grundsätzen war, dass die Söhne das Esseneingeben gefilmt haben, um den Verwandten zu zeigen, dass es der Mutter gut geht.

In der Ethikkommission haben wir vereinbart, dass in schwierigen, interkulturellen Fragestellungen die jeweiligen Priester der katholischen Missionen (Gruppierungen anderssprachiger Katholiken z.B. in der Landeskirche Thurgau) die Pflegeteams dabei unterstützen können, zusammen mit den Angehörigen nach einer Lösung für solche ethische Dilemmata zu suchen. Bei gläubigen Katholiken aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern geniessen diese Priester einen hohen Respekt bei ihren Landsleuten und ihr Ratschlag wird geschätzt, wie z.B. in der albanischen, italienischen, kroatischen, portugiesischen oder ungarischen Mission der Landeskirche Thurgau.

Für ethisch/seelsorgerische Fragen in der Palliative Care gibt es eine Vielzahl von Handlungsansätzen, von denen ich hier beispielhaft nur einen herausgreife, der in der Schweiz verbreitet ist und z.B. im Kantonsspital St.Gallen angewandt wird:

Das 7-Schritte-Modell von Dialog Ethik
Dieser Ansatz stützt sich auf eine Strukturierung des Diskussionsrahmens und des Ablaufs der Beratung. Alle direkt von der Situation betroffenen Personen nehmen an der Beratung teil. Diese werden in einen inneren Kreis, der die Teilnehmenden mit Entscheidungsverantwortung umfasst, und einen äusseren Kreis, zu dem Spezialist*innen sowie alle anderen an der Situation Interessierten der Abteilung gehören, aufgeteilt. Die Diskussion, die von einer Person moderiert
wird, die im 7-Schritte-Modell geschult ist, durchläuft sieben Schritte:

1. Erfahrung des Sachverhaltes als ethisches Problem,
2. Kontextanalyse,
3. Werteanalyse,
4. Entwurf von mindestens drei Handlungsmöglichkeiten,
5. Analyse der Handlungsmöglichkeiten,
6. Konsensfindungsprozess und Handlungsentscheid,
7. Kommunikation und Überprüfung des Handlungsentscheids
(Baumann Ruth, 1999. 7-Schritte-Dialog. Ein Modell ethischer Entscheidungsfindung. Version 3.0).

In der Ethikkommission im Stadtgarten sind wir dabei, einen eigenen Weg bei ethischen Fragestellungen auf der Grundlage dieser verschiedenen Handlungsansätze zu finden und umzusetzen. Dazu braucht es viel Übung, Geduld und, aus meiner persönlichen Sicht als Katholik, auch Gottes Beistand und Segen.

Christoph Oechsle, Leiter Diakonie
Bereitgestellt: 05.02.2021     Besuche: 4 heute, 62 Monat 
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