Monika Leutenegger

Historisches «Kleinod» in der Sebastianskapelle Buch

Orgel-Buch <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Emanuel&nbsp;Helg)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>812</div><div class='bid' style='display:none;'>8037</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

In der Sebastianskapelle mit ihren eindrücklichen Fresken aus dem 14. Jahrhundert steht auch ein historisch hochinteressantes Musikinstrument: eine 1726 erbaute Kleinorgel aus der Werkstatt des Schaffhauser Orgelbauers Conrad Speisegger (1699–1781).
Das mit Abstand älteste Orgelwerk in unserer Pfarrei ersetzte im Jahr 2001 ein elektrifiziertes Harmonium mit Orgelpedal, welches nun in einem Nebenraum hinter der Empore eingelagert ist. Angelus Hux beschreibt die Speisegger-Orgel in seinem Buch «KlangRäume»:
«Ein Kleinod mit bewegter, noch nicht völlig geklärter Geschichte. Es soll früher im Besitz einer Täuferfamilie im Jura gewesen sein, danach bei Orgelbauer W. Bütikofer in Münsingen, der es in die Kur nahm, und beim Kunstmaler Zaugg in Gerzensee. Schliesslich ersteigerte Orgelbauer Hans Späth, Rapperswil, das Instrument aus einem Nachlass und setzte es mit sanfter Hand wieder instand.»

Kunstvolle Bemalung
Ursprünglich bestand die Bemalung der Speisegger-Orgel lediglich aus Blumenmotiven und musikalischen Verszeilen. Die kunstvolle Bemalung des Gehäuses mit diversen, musizierenden Personen vor prächtiger Kulisse mit Schloss und Park, ist nicht original. Sie wurde erst in neuerer Zeit im Zuge der Restauration ausgeführt. Die Bildmotive erwecken den Eindruck, eine Hausorgel vor sich zu haben. Solche Kleinorgeln dienten bis ins 20. Jahrhundert auch oft für das häusliche Musizieren, sofern man das nötige Kleingeld dazu hatte. Ein sinnstiftender Vers im Stil der damals noch recht unverbindlichen Rechtschreibung findet sich auf den Innenseiten der restaurierten Flügeltüren: «Was Schall, Klang und Thon kan geben, müsse Gottes Lob erheben – dessen Gnade lieb und treü, alle Tag sich zeiget von neüh.»

Geschnitztes und vergoldetes Schleierbrett als Abschluss der Pfeifen
Ein kunstvoll geschnitztes und vergoldetes Schleierbrett schmückt die oberen Enden der zwar immer noch originalen, aber mittlerweile etwas «befleckten» Prospektpfeifen; vermutlich eine Spätfolge verursacht durch Weihwasser bei einer oder mehreren Orgelweihen. Diese «Patina» hat sich tief in das Metall eingefressen und kann nicht mehr entfernt werden. Noch eine religiös-musikalische Inschrift befindet sich über dem Schleierbrett: «Alles was Athem hat – Lobe den Herren».
Der Tonumfang der Orgel ist etwas kleiner als bei heutigen Instrumenten. Auf 48 (statt mindestens 56) Tasten können mittels vier Registern insgesamt 192 Orgelpfeifen betätigt werden. Dies entspricht einem Tonumfang von vier Oktaven (C – c3), wobei das Cis in der untersten Oktave fehlt. Dieser Ton wurde in der Musik aus der Entstehungszeit der Orgel kaum gebraucht, weshalb man aus Platz- und Kostengründen gerne darauf verzichtete.

Gut versteckte Balganlage im Fussbereich
Links und rechts neben der Tastatur befinden sich je zwei Schieberegler, mit welchen die Register ein- und ausgeschaltet werden. Unter der Tastatur können zwei Bretter auseinandergezogen werden, wodurch die Balganlage und darüber das Ventilatorgehäuse zum Vorschein kommen. Anfangs Dezember 2020 wurde der alte, etwas geräuschvolle Ventilator ersetzt und sein Gehäuse mit zusätzlichem Dämmmaterial versehen. Durch eine kleine Aussparung im Gehäusesockel kann unter dem Balg ein Holzpedal in eine Wippe gesteckt werden. Wie bei einem Harmonium lässt sich so der Balg wie anno dazumal per Fuss aufziehen und die Orgel wird ohne elektrische Unterstützung mit Wind versorgt. Im Selbstversuch resultierten beim Schreibenden allerdings noch etwas unausgeglichene Klänge, weshalb er zumindest vorläufig gerne noch den Knopf zum Einschalten des (nun leiseren) Ventilators drückt.

Das Innere der Orgel
Beim Blick in das Innere der Orgel erscheinen von der Mitte her nach rechts die 48 Holzpfeifen
des 8-Fuss-Registers: Gedackt 8’. Mit den Holzstöpseln kann die Deckelung in der Höhe verstellt und so die Pfeifen gestimmt werden. Links der Mitte ist zu sehen, wie die unteren 23 Töne der Flöte 4’ ebenfalls noch aus Holz gefertigt sind, ab dem mittleren c1 dann aus Metall. Oben an den Metallpfeifen angebrachte sogenannte Stimmringe ermöglichen durch Verschiebung auf- und abwärts das Stimmen ohne Verformung des wertvollen Originalmaterials.

In den zwei Reihen links davon stehen die hochtönenden Pfeifen des Octav 1’ – die Klangkrone der Orgel. Ganz links sind die 25 Pfeifen des Principal 2’ zu sehen, welche nicht ganz vorne im Prospekt (Schauseite der Orgel) Platz gefunden haben.

Emanuel Helg, Leitung Kirchenmusik

Bereitgestellt: 15.03.2021     Besuche: 39 Monat 
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