Monika Leutenegger

Oster-Weg

Ostern 2021 <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Thomas&nbsp;Markus&nbsp;Meier)</span>: brennende Kerze in St. Anna<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>117</div><div class='bid' style='display:none;'>8091</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Die Stadtkirche St. Nikolaus Frauenfeld könnte auch als „Barfüsserkirche“ bezeichnet werden – denn kein Fresko, ohne dass darauf jemand barfuss dargestellt ist: Der kniende König beim Weihnachtsbild, Jesus und die Jünger beim letzten Abendmahl, und gar die Wächter am Grab. Drei von vier Evangelisten zeigen einen nackten Fuss, und beim vierten bleibt es einzig deshalb unklar, weil der Fuss hinter der Stuckatur verschwindet.
Was hat das mit Ostern zu tun? Jesus ruft zu Nachfolge. Wir sind eingeladen, in seinen Fussstapfen zu gehen. Ausserdem: Der erste Name für die junge Kirche was „Der Weg“. Nach der Auferweckung schickt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zurück an den Anfang: Von Jerusalem wieder nach Galiläa. Ostern also hat damit zu tun, den Weg unter die Füsse zu nehmen; zurückzugehen zu den Anfängen, und im Sinn und Geist des Heilands dann auch weiter zu gehen. So zu leben, dass wir Spuren hinterlassen. Dass unser Leben, unsere Spiritualität Wirkung zeigt.

Das zu Fuss gehen mahnt auch zu einem solidarischen, bescheidenen Lebensweg. Stichwort, ganz aktuell: ökologischer Fussabdruck.

Ein Fussgänger ist auch langsam unterwegs, Schritt für Schritt. ChristInnen sind beharrlich unterwegs. Wir zeigen Standhaftigkeit in Bedrängnissen, gehen vorwärts, bleiben nicht stehen und ruhen uns mit dem Erreichten aus.

Eine mittelalterliche Legende erzählt, dass das Kreuz vom Baum des Lebens stammte. Einst wurde dieser Balken als Steg über den Bach Kidron gebraucht – denn beim Tempelbau Salomos war der Balken immer zu kurz oder zu lang. Als die Königin von Saba zu Salomo kam, habe sie vorausgesehen, dass dieser Steg mal zum Kreuzesholz würde. Aus Respekt ging sie deswegen nicht über den Steg, sondern watete durchs Wasser. Aus diesem Grund wurde sie im Mittelalter übrigens meist mit Entenfüssen dargestellt.

Heute steht die Kirche vor Problemen. Es geht irgendwie nicht weiter. Manche reden von Reformstau. Da könnte sie sich bei der Königin von Saba ein Beispiel nehmen. Und Gräben überwinden – das Wasser ist nicht so tief wie befürchtet. Und das war ja auch der Auftrag des Auferweckten: Gehet hin in alle Welt! Geht an die Ränder. Bleibt nicht stehen. „Macht vörsi!“

Thomas Markus Meier, theologischer Leiter
Bereitgestellt: 26.03.2021     Besuche: 91 Monat 
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