Claudia Steiger

250 Jahre: Erster Stadtbrand – verschoben

250 Jahre Stadtbrand Frauenfeld (Foto: Feuerwehr/Feuerwehr-Verein Frauenfeld)

Die Feuerwehr und der Feuerwehr-Verein Frauenfeld führen im Gedenken an den ersten Stadtbrand von 1771 einen Feuerwehranlass durch. Die katholische und die reformierte Kirche begleiten den Start mit einer «Sturmgeläut-Aktion». Der Anlass wurde auf 2022 verschoben.
Geplant ist zum Auftakt dieses traurigen Tages um ca. 10 Uhr ein «Brand» in der Bäckerei Truniger; das ist geografisch der Ort, an welchem damals das Inferno seinen Ursprung hatte. Der Start wird mit einer «Sturmgeläut-Aktion» der katholischen und reformierten Kirche begleitet. Denn so wurde früher die Feuerwehr aufgeboten. Dieses historische Ereignis erhält somit einen offiziellen Charakter. Ob das Fest am 26. Juni stattfinden wird, ist noch offen – am 19. Mai wird entschieden, wie es weitergeht und dann wird entsprechend informiert.

Gestern
Es muss den Einwohnern der Stadt durch Mark und Bein gefahren sein, als am frühen Freitagmorgen des 19. Juli 1771 die ersten Frauenfelder «Fürio» rufend auf den Brandausbruch beim Bäcker Müller aufmerksam machten. Kurz darauf wurden die Sturmglocke auf dem Kronentor und alle Glocken der vier Kirchen «angezogen». So wurde zum Löschdienst, zu den Spritzen und Gerätschaften gerufen. Hilfe eilte von nah und fern mit Spritzen nach Frauenfeld: mit zum Teil stundenlangen Anmarschwegen wie zum Beispiel aus Winterthur oder sogar aus Ermatingen.

Nach 24 Stunden war der Brand soweit gelöscht, dass vom Pfarrer die ersten Helfer verabschiedet – oder in der damaligen Sprache «abgedankt» – werden konnten. Doch das Ausmass war verheerend: 64 Häuser zerstört, 60 Haushaltungen obdachlos, eine Person verstorben.

Ein Problem war, dass zu wenig Verpflegung vorhanden war und nicht alle Helfer versorgt werden konnten. Ein anderes Problem, man glaubt es nicht: die Schaulustigen, die dann am Sonntag Frauenfeld besuchten.

Heute
Wenn die heutigen Feuerwehren den Brand mit modernsten Mitteln bekämpfen, bestand die Brandbekämpfung vor 250 Jahren primär darin, dem Feuer die Nahrung zu nehmen und die anliegenden Dachstöcke oder sogar die Häuser einzureissen. So auch in Frauenfeld, wo die Häuser an der heutigen Kirchgasse eingerissen wurden und mit dieser Schneise verhindert werden konnte, dass sich das Feuer weiter ausbreitete.

In den letzten 250 Jahren hat sich das Löschwesen zum Glück in einer Art und Weise weiterentwickelt und technisiert, dass die Feuerwehren heute nicht nur viel schneller alarmiert werden und vor Ort sind – mit einem Bruchteil an Helfer*innen sind sie in der Lage, ein Vielfaches an Kampfkraft aufzubieten und die Ereignisse in einem sehr begrenzten Rahmen zu halten. Aber es ist klar: Für diese Arbeit braucht es nicht nur aktive Mitglieder, sondern auch das Verständnis der Familien und Partner*innen, sowie der Öffentlichkeit. Diese ermöglicht es den Feuerwehren, sich ständig weiter zu entwickeln und stellt ihr die notwendigen Mittel zur Verfügung.

Dies möchten die Feuerwehr und der Feuerwehr-Verein der Frauenfelder Bevölkerung an einem Tag in der Altstadt aufzeigen. Unter dem Motto «Feuerwehr – früher und heute» zeigen sie die Entwicklungen der letzten Jahrhunderte auf.
Michael Burger, Feuerwehr/Feuerwehr-Verein Frauenfeld, Chef OK 250 Jahre Stadtbrand
Bereitgestellt: 13.04.2021     Besuche: 95 Monat 
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