Claudia Steiger

Ein Lichtblick für das Chorleben

Chor der St. Nikolauskirche 2019 (Foto: zvg)

Wir haben Reto Schärli, Leiter des Chors der St. Nikolauskirche gefragt, wie es dem Chor und den Sänger*innen während der letzten Monaten ergangen ist.
Eines steht fest: Der Chor und die Sänger*innen litten alle am coronabedingten Singverbot, den damit verbundenen, ausbleibenden Glücksmomenten und fehlenden Begegnungen, dem Gemeinschaftsgefühl. Denn Singen beseelt, macht Singende wie Zuhörende glücklich. Sich allein in den eigenen vier Wänden zu motivieren, weiter zu singen, die Stimmbänder zu pflegen, ist eine Herausforderung. Das digitale Angebot war Trost, jedoch kein Ersatz. Umso grösser die Freude, dass die Proben wieder aufgenommen werden durften und die positiven Aussichten für Auftritte zunehmen.

Die mit der Corona-Pandemie verbundene, fast siebenmonatige Zwangspause seit Oktober hat auch beim Chor der St. Nikolauskirche Frauenfeld grosse Spuren hinterlassen: Das gemeinsame Singen während der Mittwochabend-Proben und die Mitwirkung in den Gottesdiensten der Pfarrei, nicht zuletzt aber die Gemeinschaft mit den Sänger*innen auch ausserhalb der Proben haben schmerzlich gefehlt.

Chor mit Zusammenhalt
Eine wahrlich neuartige, befremdliche Situation, wenn plötzlich die Inspiration durch die Texte und die morgendlichen Ohrwürmer nach der speziellen Wochenmitte ausbleiben: «Ohne Chor geht es (fast) nicht» – so der Konsens unter den Sänger*innen des Nikolauschors. Die musikalischen Herausforderungen, verbunden mit den positiven Auswirkungen des Singens auf Körper, Geist und Seele wurden während der langen Pause sehr vermisst.

Etwas Abhilfe geschaffen hat bei einigen einerseits das eigene Singen bzw. Musizieren, andererseits wurden die Stimmen durch das morgendliche «Einsingen um 9» (eine Initiative per Livestream, die bereits während des ersten Lockdowns im März 2020 ins Leben gerufen wurde) in Form gehalten.

Als Chorleiter bin ich in der ausserordentlich glücklichen Lage, über einen Chor mit sehr grossem Zusammenhalt zu verfügen. Dies hat sich gerade während des auferlegten Probenverbots ganz besonders gezeigt: Unzählige berührende Nachrichten der Mitglieder haben mich auf den unterschiedlichsten Wegen (per Mail, Karten oder Telefon) erreicht, die mich sehr glücklich gestimmt haben und die Zusammengehörigkeit trotz des Kontaktverbots haben stark spüren lassen. Auch Austritte gab es bei uns keine, worüber ich sehr froh bin – und was keineswegs selbstverständlich ist.

Respekt und Dankbarkeit
Inzwischen haben sich die Sänger*innen, der Vorstand und der Chorleiter an die Planungsunsicherheit gewöhnt, die Situation verlangt allen Beteiligten viel Flexibilität ab. Insbesondere der Vorstand leistet einen unvergleichbaren Mehraufwand derzeit und tut sein Möglichstes, um Perspektiven zu erarbeiten, den Chorleiter zu unterstützen, um mit den Sänger*innen in Kontakt zu bleiben und über die geltenden, sich ständig verändernden Bestimmungen zu informieren. Dies verdient höchsten Respekt und Dankbarkeit.

So waren wir denn auch mit den Mitte April bekannt gegebenen neuen Lockerungsschritten konfrontiert und mussten wie alle Chöre zunächst nach einer unserer Situation angemessenen Lösung suchen: Die Freude darüber, dass nun wieder – wenngleich immer noch unter teilweise nach wie vor schwierigen Bedingungen – gesungen werden darf, war und ist riesig.

Per 5. Mai konnten die Proben erneut aufgenommen werden: Zunächst waren wir aufgrund der geltenden Beschränkung auf 15 Personen gezwungen, Gruppenproben abzuhalten, wobei der Chor auf die grossartige Unterstützung von Denise Kollöffel zählen durfte, die jeweils eine Hälfte des Chors übernahm und anleitete.

Ohren und Herzen erfreuen
Am 2. Juni konnten dann erstmals wieder mit dem kompletten Chor vierstimmige Lieder erarbeitet werden. Das Singen mit Maske (selbstverständlich unter strikter Einhaltung der Abstandsregeln) wurde trotz gewisser anfänglicher Bedenken bald zu einer ziemlichen Gewohnheit, ebenso die kürzeren Probeeinheiten mit verlängerten Lüftungspausen. Gesanglich braucht es nun natürlich Geduld, bis die Stimmen sich wieder gewöhnen – es ist wie bei einem Muskel, den man fast acht Monate lang nicht benutzt hat. Wir sind aber auf dem Weg und bereits die ersten Proben haben eine durchaus positive Entwicklung gezeigt.

Nun gehen die Hoffnungen des Chors natürlich dahin, dass bald auch die Mitwirkung in Gottesdiensten wieder möglich sein wird und wir somit unsere Kernaufgabe innerhalb der Pfarrei wieder wahrnehmen können, um mit unserem Gesang Ihre Ohren und Ihr Herz zu erfreuen. Wir sind guten Mutes und stehen gewissermassen schon in den «Startlöchern»…

Für Interessierte: Wir freuen uns immer über neue Sänger*innen – die Proben sind nach wie vor jederzeit offen. Wir proben jeweils am Mittwochabend von 19.45 bis 21.30 Uhr im grossen Saal des Pfarreizentrums Klösterli.
Kontakt: Reto Schärli, 076 527 94 62, re-to.schaerli@gmx.ch
Für den Chor der St. Nikolauskirche, Reto Schärli, Chorleiter
Bereitgestellt: 23.06.2021      
aktualisiert mit kirchenweb.ch