Claudia Steiger

Rheinberger-Messe zum Patrozinium

Kirche Bruder Klaus Gachnang (Foto: Vinzenz Zahner)

Der Chor der katholischen Stadtkirche St. Nikolaus Frauenfeld freut sich sehr, das Patrozinium in der Kirche Bruder Klaus in Gachnang vom 18. September musikalisch umrahmen zu dürfen. Es gilt die Zertifikatspflicht.
Auf dem Programm, welches sowohl am 18. September in Gachnang, als auch am 19. September in der Stadtkirche St. Nikolaus zu hören ist, steht die Messe in a-Moll «Missa omnium sanctorum», op.197 von Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901).

Es handelt sich dabei um das allerletzte Werk des in Vaduz geborenen, zeitlebens in München wirkenden Komponisten: Es war dem Tondichter nicht mehr vergönnt, die Messe zu vollenden, lediglich «Kyrie», «Gloria» und «Credo» stammen aus seiner Feder. Für das «Sanctus» griff sein Schüler Louis Adolphe Coerne (1870-1922) auf Skizzen des Meisters zurück, während für das «Benedictus» (in Kanonform, also strenger Imitation zwischen Sopran und Tenor) keinerlei Aufzeichnungen vonseiten Rheinbergers vorliegen.

Ernster, lyrischer Gesamtcharakter
Die Handschrift des Komponisten bricht beinahe ominös just bei der Textstelle «Passus et sepultus est» ab, unmittelbar vor der Auferstehung Jesu. Den Rest des «Credo» hat in der zur Aufführung gelangenden Version Wolfgang Hochstein nach erhaltenen Skizzen Rheinbergers rekonstruiert.

Das «Agnus Dei» zitiert nochmals das «Kyrie» (in einer musikalisch leicht adaptierten Fassung, wiederum von Coerne): Solche Rückgriffe innerhalb einer Ordinariums-Vertonung haben durchaus kirchenmusikalische Tradition. Das Werk gehört zum Typus der orgelbegleiteten Werke, die ohne Solisten auskommen und explizit für den gottesdienstlichen Gebrauch geschrieben wurden.

Die Messe zeichnet sich durch einen ernsten, lyrischen Gesamtcharakter aus, grössere polyphone Strecken wie Fugen fehlen komplett. Das Stück verfügt über eine ausgesprochen reiche harmonische Sprache, welche die typisch romantische Chromatik mit teils modalen (kirchentonalen/gregorianischen) Anklängen verbindet.

Fast vollständig von den Programmen verschwunden
An dieser Stelle sei hingewiesen auf zwei Besonderheiten bezüglich der Textvertonung des Tondichters: Innerhalb des «Gloria» (dessen Intonation er ebenso wie beim «Credo» nicht vertonte) sind die Textteile «benedicimus te» und «adoramus te» umgestellt; im «Credo» fehlt nach der Stelle «et iterum venturus est» der Beisatz «cum gloria». Der Titel «missa omnium sanctorum» bezieht sich liturgisch auf Allerheiligen, was dem Zeitpunkt der Entstehung im Herbst 1901 entspricht; zu einer Aufführung in diesem Rahmen kam es jedoch wegen des Ablebens Rheinbergers nicht mehr.

Der Komponist, der als Orgel- und Kontrapunktprofessor an der Münchner Musikhochschule Generationen von Komponisten ausbildete, ist mit seinem umfangreichen Schaffen heute fast vollständig von den Programmen verschwunden. Eine Ausnahme bildet lediglich seine Chor- und Orgelmusik; es ist also eine besondere Freude, dieses Spätwerk zwei Mal zur Aufführung bringen zu dürfen.

Bitte beachten Sie, dass bei der Eucharistiefeier zum Patrozinium in Gachnang am Samstag, sowie bei der Eucharistiefeier in der Stadtkirche St. Nikolaus am Sonntag die Zertifikatspflicht besteht. Mehr dazu lesen Sie hier.
Reto Schärli, Chorleiter Chor der St. Nikolauskirche Frauenfeld
Bereitgestellt: 14.06.2021     Besuche: 42 Monat 
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