Claudia Steiger

Musik zum Patrozinium

Einweihung Stadtkirche 1.Mai 2016 (Foto: Vinzenz Zahner)

Im Gottesdienst zum Patrozinium am 5. Dezember können wir in der Stadtkirche St. Nikolaus Frauenfeld mit einer musikalischen Besonderheit aufwarten. Bitte beachten Sie bei dieser Feier die Maskentragpflicht.
Zum ersten Mal seit seiner ersten Aufführung vor ungefähr 280 Jahren erklingt ein Chorsatz des böhmischen Barock-Komponisten Antonin Reichenauer (ca. 1694 – 1730) wieder.

In seinem kurzen Leben hat Reichenauer nebst gehaltvoller Instrumentalmusik auch sehr viel Kirchenmusik komponiert. Wahrscheinlich war er Organist an der Dominikanerkirche St. Maria Magdalena auf der Prager Kleinseite. Das Offertorium «Eia tubae resonate» («Tönt, ihr Trompeten») ist in einer Handschrift im Musikarchiv des Prager Hradschins erhalten und wird mit dem gleichnamigen Chor eröffnet; es dürfte um 1725 entstanden sein.

Als instrumentale Besonderheit und wohl um den Titel des Stücks zu bekräftigen, verlangt Reichenauer nicht weniger als 4 Trompeten und die dazu gehörigen Pauken. Die musikalische Struktur ist, auch wegen der eingeschränkten chromatischen Möglichkeiten der Naturtrompeten, harmonisch eher einfach und in homophonem Stil gehalten; es strahlt festliche Freude und Jubel in C-Dur aus.

Die Ausführenden freuen sich sehr, der Gottesdienstgemeinde dieses Werk in moderner Erstaufführung präsentieren zu können!

Arne Thielemann, Herausgeber/Trompeter


Als Hauptwerk erklingt zu den Feierlichkeiten anlässlich des Patroziniums die Missa in C KV46 von Johann Joseph Fux (ca. 1660-1741). Der als armer Bauernsohn geborene steyrische Tondichter gilt als bedeutendster Barockkomponist Österreichs und ist vor allem als Musiktheoretiker mit seiner Kontrapunktlehre Gradus ad parnassum in die Geschichte eingegangen. Ganze Generationen namhafter Komponisten (u.a. Mozart, Beethoven, Schubert und Bruckner) wurden nach seiner Lehrmethode unterrichtet. Im Konzertleben lässt sich allerdings erst seit etwa rund 50 Jahren eine zaghafte Renaissance der Fux’schen Musik beobachten.

Umso mehr freut es uns, in Frauenfeld die sehr feierliche, ebenfalls mit 4 Trompeten und Pauken besetzte Messe präsentieren zu dürfen. Sie zeigt den für Fux typischen Stil, der Elemente der «gelehrten» alten Renaissance-Polyphonie mit Einflüssen der damals sehr in Mode stehenden neapolitanischen Opernschule vereint. Die Bezeichnung «KV» bezieht sich übrigens ganz wie im Falle des Mozartschen Werkverzeichnisses auf Ludwig Ritter von Köchel, der als Autographensammler eine inzwischen mehrfach revidierte Übersicht der Werke von Fux anfertigte.

Freuen Sie sich also auf eine Entdeckung mit der Musik eines heute ziemlich vergessenen Komponisten, der immerhin von so grossen Zeitgenossen wie Johann Sebastian Bach sehr geschätzt wurde!

Reto Schärli, Chorleiter


Bitte beachten Sie, dass seit Freitag, 3. Dezember im Kanton Thurgau eine allgemeine Maskentragpflicht an Veranstaltungen in Innenräumen gilt. Dies betrifft auch das Patrozinium, selbst wenn dieser Gottesdienst zertifikatspflichtig ist.
Bereitgestellt: 01.08.2021      
aktualisiert mit kirchenweb.ch