Claudia Steiger

Mendelssohn zur Sommerpause

Chor der St. Nikolauskirche 2019 (Foto: zvg)

Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) stehen auf dem Programm der beiden Gottesdienste vom 25. und 26. Juni.
Der Chor der St. Nikolauskirche Frauenfeld rückt am Samstag, 25. Juni um 17.30 Uhr in der Stadtkirche St. Nikolas und am Sonntag, 26. Juni um 9.45 Uhr im Kantonsspital einen Musiker ins Zentrum, der als Komponist, Dirigent, Pianist, Organist und Gründer des ersten Konservatoriums in Deutschland das 19. Jahrhundert nachhaltig wie kaum ein Zweiter geprägt hat: Die grossen biblischen Oratorien Paulus und Elias erfreuen sich ebenso wie seine 5 Symphonien, die Konzertouvertüren, die zum Prototyp der Programmmusik avancierten und die zahlreichen Klavierkompositionen (allen voran die 8 Bände der Lieder ohne Worte) ungebrochener Beliebtheit.

Musik früherer Generationen
Auf dem Bereich der Kirchenmusik hat sich das auch malerisch hochbegabte Wunderkind nebst unzähligen Kompositionen, die zum Gewichtigsten auf dem Gebiet gehören, besonders durch eine intensive Pflege der Werke Johann Sebastian Bachs (1685-1750) hervorgetan: Die legendäre Aufführung von Bachs Matthäuspassion in Berlin 1829 – die erste Aufführung seit dem Tod des Komponisten rund 70 Jahre zuvor – leitete unmittelbar eine Renaissance der Werke des grossen Barockmusikers ein.

So spielt denn – wenig überraschend – im Werk Mendelssohns der an Bach geschulte strenge Stil («alter» Kontrapunkt/Polyphonie) eine wesentliche Rolle; die Auseinandersetzung mit der Musik früherer Generationen kommt in den Oratorien ebenso zur Geltung wie im ursprünglich als anglikanischen Vespergesang komponierten Herr, sei uns gnädig, einer 1833 verfassten Motette für Chor a cappella.

Trostspendender Grundcharakter
Von einer anderen Seite zeigt sich der Komponist im als Klavierlied entstandenen Pilgergesang: Es handelt sich hierbei um ein Frühwerk aus der Feder des 17-Jährigen, auf einen Text des bedeutenden deutschen Barockdichters Paul Fleming (1609-1640). Weitaus schlichter als die oben erwähnte Motette, geradezu choralartig ist dieses Stück gehalten. Es steht in der Linie der kunstvollen, homophonen Chorsätze, die einen zahlenmässig grossen Anteil im Gesamtwerk des Komponisten einnehmen.

Schliesslich kommen mit den beiden Sätzen Wer bis an das Ende beharrt und Wirf dein Anliegen auf den Herrn (letzter ist ursprünglich als Soloquartett konzipiert), die dem Oratorium Elias entnommen sind, zwei der bekanntesten Ausschnitte des Werks zur Aufführung. Exemplarisch für Mendelssohns geistliche Musik sind sie geprägt von jenem trostspendenden Grundcharakter, der zwar eine gewisse Dramatik nicht vermeidet, insgesamt jedoch den für den Komponisten bezeichnenden optimistischen Gestus aufweist.

Der Chor der St. Nikolauskirche Frauenfeld steht diesmal unter der Leitung von Denise Kollöffel, die freundlicherweise aufgrund einer Abwesenheit Reto Schärlis das Dirigat der beiden Aufführungen übernimmt.
Reto Schärli, Chorleiter
Bereitgestellt: 25.04.2022     Besuche: 23 Monat 
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