Jagdsaison

Taube <div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>117</div><div class='bid' style='display:none;'>6001</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Letztes Jahr verirrte sich eine Taube in die Stadtkirche, und beinahe hätte der Wildhüter sie schiessen müssen…
Das ist aber nicht der Grund, dass im obersten Stock im Haus Aurora ein Plakat mit der Geisttaube von Hans Erni hängt. Das Plakat erinnert an die erste europäische ökumenische Versammlung vor dreissig Jahren in Basel: «Friede in Gerechtigkeit». Besonders beeindruckt waren die Teilnehmenden aus Osteuropa - vielleicht war dieses Kirchentreffen einer der Katalysatoren, dass im gleichen Jahr die Mauer fiel…?

Friede und Gerechtigkeit: Diese zwei biblischen Leitwörter zeichnet etwas ganz Besonderes aus. Das fiel mir erst auf in der Vorbereitung auf den ökumenischen Gottesdienst zur «Woche der Einheit». Das biblische Motto dazu lautet heuer: «Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, ihr sollst du nachjagen!» (Dtn 16,20a). Und bereits an Silvester/Neujahr war die Jagd, diesmal nach Frieden, das Thema, entsprechend der biblischen Jahreslosung. Das nahm mich wunder – wie ist das mit der Jagd nach…? Im Ersten Testament wird Feinden nachgejagt, oder Tieren. Aber im übertragenen Sinn eine empfohlene Jagd gibt es nur zwei Mal: Eben die Jagd nach Frieden und die Jagd nach Gerechtigkeit.

Jagen heisst nachspüren, verfolgen, mit allem Einsatz dran bleiben. Das sollen wir Menschen bei der Gerechtigkeit und dem Frieden. Bei beiden geht es um Fairness, um Ausgleich. Hier sollen wir Menschen hartnäckig die Spur aufnehmen. Das Ziel verfolgen. Bei Gerechtigkeit und Friede sind wir gefordert. Andere biblische Leitworte, wie Gnade, Erlösung, die stehen für das, was nicht in unseren Händen liegt. Für das, was gottgeschenkt ist. Aber Friede und Gerechtigkeit, da ist unser voller (Körper-)Einsatz gefragt.

Die Taube in der Stadtkirche hat (nach vielem Zureden?) übrigens den Ausgang im letzten Moment dann doch noch gefunden.
Thomas Markus Meier, Theologischer Leiter,
Bereitgestellt: 01.01.2019     Besuche: 24 Monat 
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