Monika Leutenegger

Gemeinschaftszentrum Carita

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Bei den diesjährigen Erstkommuniongottesdiensten wurden 6233 Franken für das Gemeinschaftszentrum Carita gesammelt. Gerne möchten wir Ihnen berichten, wie das Gemeinschaftszentrum entstanden ist und welche Visionen heute aktuell sind.
Dazu hat Monika Leutenegger ein Gespräch mit Stefanie Hug geführt. Frau Hug war im Herbst 2015 und im Frühling 2019 bei einem Einsatz vor Ort.

Der Ursprung liegt in Mazedonien
Das heutige Leiterehepaar Cristina und Massimo Mazzali aus Italien meldete sich im Jahre 1999 zu einem Hilfseinsatz nach Mazedonien. Sie lernten sich dort kennen und engagierten sich für vier Wochen in einem Flüchtlingscamp. Während sie die schwierige Situation der Flüchtlinge kennenlernten, entschieden sie sich, diese bei der Heimkehr zu begleiten. Sie halfen ihnen, ihre Familien zu finden und Häuser wieder aufzubauen. Noch vor Ort wurden sie angefragt, ob sie ein Kind betreuen könnten, welches ohne Eltern zurückblieb. Cristina und Massimo waren sich einig, dass sie entweder über längere Zeit oder gar nicht für das Kind da sein wollten. Sie entschieden sich, im Kosovo zu bleiben und für das Kind zu sorgen.

Neues Zuhause im Kosovo
Schon bald wurden weitere Kinder zu ihnen gebracht, die nicht bei ihren Eltern leben konnten oder verwaist waren. Cristina und Massimo durften ein Lehmhaus kostenlos übernehmen, in dem sie mit den Kindern wohnten. Mit der Zeit betreuten sie bis zu zwanzig Kinder und wurden von einer kosovarischen Frau unterstützt, die seither mit ihnen lebt. Ebenfalls erhielten sie finanzielle Unterstützung durch die Caritas Umbrien und durch Spenden aus Italien und der Schweiz.

Bau des Gemeinschaftszentrums
Nach fünfzehn Jahren – im Jahr 2014 – konnte der Bau eines Gemeinschaftszentrums verwirklicht werden. Dank vieler Spenden entstand ein grosses Haus, das zwanzig Kinder und Jugendliche beherbergt. Bis dahin haben Cristina und Massimo über hundert Kinder begleitet mit dem Ziel, sie in die Selbständigkeit zu führen. In dieser Zeit haben sie auch geheiratet und selber vier Kinder zur Welt gebracht.

Stefanie Hug war im Jahr 2015 zusammen mit ihrem jetzigen Ehemann David Hug bei einem Einsatz im Gemeinschaftszentrum Carita. Dabei haben sie erlebt, wie der in der Zwischenzeit grosse Betrieb organisiert ist. Neben der Betreuung der Kinder werden auch zweihundert Familien begleitet und eine Landwirtschaft geführt.

Heutige Situation
Es leben weiterhin etwa zwanzig Kinder und Jugendliche im Gemeinschaftszentrum Carita. Cristina und Massimo sind bestrebt, dass möglichst viele Kinder bei ihren Familien bleiben können und besuchen sie deshalb monatlich. Beim Besuch der Familien wird jeweils ein Paket mit Nahrungsmitteln mitgebracht. Ebenfalls wird geschaut, welche medizinische Versorgung die Kinder und Eltern benötigen. Im Austausch wird geklärt, ob die Kinder die Schule besuchen und finanzielle Unterstützung nötig ist.

Alle Kinder des Gemeinschaftszentrums gehen zur Schule und werden nach Möglichkeit speziell gefördert, damit sie danach eine Ausbildung absolvieren können. Dem Leiterehepaar ist es ein Anliegen, dass die Jugendlichen im Kosovo bleiben oder nach einer Ausbildung im Ausland wieder zurückkehren.

Da die Arbeitslosigkeit im Kosovo sehr hoch ist, versuchen Cristina und Massimo neue Arbeitsplätze zu schaffen. So konnten sie beim neuen Gemeinschaftszentrum eine Bäckerei bauen, was sowohl Arbeitsplätze schafft als auch zur Selbstversorgung beiträgt. Sie haben Mitarbeitende für folgende Aufgaben eingestellt:

- Kinderbetreuung
- Begleitung Schulbesuch
- Hausaufgabenhilfe
- Monatliche Familienbesuche
- Landwirtschaft und Tierhaltung (Schweine, Kühe, Kälber)
- Hauswartung und Reinigung
- Hausbau oder -renovation
- Bäckerei, Metzgerei und Imkerei
- Zubereitung der Mahlzeiten

Im Weiteren ist die medizinische Versorgung sehr mangelhaft. Einerseits kommt regelmässig ein freiwilliges Ärzteteam aus Italien zur Unterstützung, andererseits müssen stark erkrankte oder verletzte Personen in Italien behandelt werden. Dabei entstehen hohe Kosten, die durch Spenden gedeckt werden.

Ein schwerer Schlag für die Gemeinschaft war ein tödlicher Unfall vom Sommer 2018. Ein Sohn des Leiterehepaares ist an den Folgen eines Fahrradunfalles verstorben. Wir sind sehr betroffen und wünschen der Familie viel Kraft und Vertrauen. Dankbar sind wir, dass Cristina und Massimo trotz dieses Schicksalsschlages das Gemeinschaftszentrum weiterführen.

Visionen für die Zukunft
Neben dem jährlichen Neubau oder der Renovation eines Hauses für eine der betreuten Familien braucht es in verschiedenen Häusern Wasserleitungen.
Ein grosses Ziel ist es, nach der Selbstversorgung auch einen Laden in Pristina zu eröffnen, bei dem Produkte aus der Landwirtschaft und der Bäckerei verkauft werden. So könnten weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Zudem weilt eine kosovarische Frau, die bei Massimo und Cristina als Kind aufgenommen wurde, in Italien, um die Käseherstellung zu erlernen. Sie möchte danach im Gemeinschaftszentrum diese Arbeit ausführen, damit der Käse für den Eigengebrauch und den Verkauf genutzt werden kann.

Die Kollekte der Pfarrei wird für die Bohrungen der Brunnen und Installation der Wasserleitungen eingesetzt. Diese Arbeiten werden momentan durchgeführt.
Bereitgestellt: 20.09.2019     Besuche: 60 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch