Weltmission in Einsiedeln

Weltmission in Einsiedeln<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>581</div><div class='bid' style='display:none;'>6961</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

Haltungen I
Zum ausserordentlichen Monat der Weltmission veranstaltete das Kloster Einsiedeln einen Impulstag.
Eindringlich warnte Father James Mallon, Kanada, mit alten Rezepten unterzugehen, statt neue Wege zu wagen. Die vielen Kirchenaustritte, die wachsende Kirchenentfremdung, dies alles könne zur Haltung führen, die Veränderung einfach nicht wahrhaben zu wollen, klein zu reden. Die Haltung des Widerstands führe dann oft zu Resignation, Verzweiflung. Er vermute, das sei vielerorts der jetzige Zustand der Kirchen, auch in der Schweiz.

Gefragt aber wäre eine Haltung, die Veränderung aktiv zu gestalten. In verschiedenen Break-Out-Sessions am Nachmittag gab es Blicke in andere Weltgegenden. Dabei wusste auch der im Thurgau nicht unbekannte Christian Hennecke zu einer neuen Haltung zu motivieren. Denn in die Ernte habe Jesus seine Jüngerinnen und Jünger geschickt. Es sei schon da, die Kirche müsse nicht sammeln, etwas bringen – sondern entdecken und fördern, was schon da sei. Es sei heute nicht die Zeit, der konstantinischen Wende nachzuhängen, sondern der Apostelgeschichte. Da wird von Pfingsten erzählt, dem total überraschenden Wirken der «Heiligen Geistkraft» (Wortlaut Hennecke). Und da gelte es Raum zu lassen für verschiedene Formen, unterschiedliche Haltungen. Auch wo nur ein paar ältere Menschen Gottesdienst feierten, sei das Gottesdienst. Eine wohltuende Replik sozusagen auf den Morgen: Das Bestehende ist zwar im Wandel, aber die Menschen suchten sich selber ihre kirchlichen Beheimatungen, und diese Haltung sei zu respektieren. Nicht alle finden Halt in der gleichen Art Spiritualität. Wir alle bleiben Suchende, unterwegs.

Haltungen II
Und dazu gestatte ich mir Bemerkungen zu Gebetshaltungen im Gottesdienst (was ich bereits in den letzten zwei Versöhnungsfeiern thematisiert hatte). Das Knien etwa ist eine Besonderheit der Liturgie nördlich der Alpen. In der Bibel kniet nur Salomo zum Gebet, und das wird zwischen den Zeilen durchaus nicht unkritisch dargestellt. Die römische Liturgie hingegen kennt zum Beten vor allem das Stehen. Die Oranten-Haltung – bei uns oft beim Vater Unser: Aufrecht, mit nach oben geöffneten Handflächen. Wenn wir beim Gebet aus dem Evangelium bitten: «Aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund», kann nachgerade eine stehende Haltung Offenheit signalisieren, dass wir uns aufrichten lassen wollen, gesunden. Viele, denen das Knien aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, setzen sich oft möglichst unauffällig hin. Wer aber mag, ist gerne eingeladen, in würdiger Haltung zu stehen, wie dies ja auch die Ministrantinnen und Ministranten im Chorraum tun. Wichtig ist dabei immer: Es muss für einem selber stimmen, ohne dass wir schief auf die Haltung anderer schauen. Als etwa nach dem Konzil die Handkommunion eingeführt wurde, fanden das manche eine unwürdige Haltung. Mit der sündigen Hand den Heiland empfangen… Mein Neutestament-Professor gab dazu eine bedenkenswerte Antwort: Die meisten sündigten wohl mehr mit der Zunge als mit der Hand. Und das hat ja schon Jesus in einem Gleichnis erzählt: Gott schaut nicht auf die äussere Haltung, sondern aufs Herz. Wobei die äussere Haltung durchaus Halt geben kann oder Haltung zeigt.
Thomas Markus Meier, theologischer Leiter,
Bereitgestellt: 01.10.2019     Besuche: 30 Monat 
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