Kirchenglocken von St. Nikolaus
Jeden Tag hören wir unsere Kirchenglocken aus dem Turm schlagen.
Was hat das mit den Glocken auf sich? Wie kam der Turm zu seinen Glocken?
Die sechs Glocken im Kirchturm der Stadtkirche stammen aus dem Jahr 1906.
Zur Geschichte
Im Jahre 1904 wurde die alte Stadtkirche mitsamt dem Glockenturm abgebrochen. An gleicher Stelle wurde die jetzige, neue Kirche von Architekt Albert Rimli aufgebaut. Für die neue Stadtkirche sollten natürlich auch neue Glocken her, somit wurden die alten, noch tauglichen verkauft. Die grosse Dreifaltigkeits-Glocke der alten Stadtkirche schlägt zum Beispiel bis heute im Kirchturm Herdern weiter.
Herstellung und Eigenschaften
Im April 1906 wurden bei der Giesserei Rüetschi in Aarau die neuen sechs Glocken gegossen. Jede Glocke erhielt beim Guss einen Namen:
Dreifaltigkeits-Glocke 3281 kg, Ton: B
Heilig-Kreuz-Glocke 2070 kg, Ton: Des
St.-Nikolaus-Glocke 1490 kg, Ton: Es
Armenseelen-Glocke 800 kg, Ton: Ges
Schutzengel-Glocke 473 kg, Ton: b
Messglöcklein 257 kg, Ton: des
Neben dem Namen tragen die Glocken auch eine eigene Inschrift und Bilder. Die grösste und schwerste Glocke trägt die Inschrift: «HEILIGSTE DREIFALTIGKEIT EIN EINIGER GOTT, ERBARME DICH UNSER». Die eingegossenen Bilder wurden von der ehemals grössten Glocke der alten Kirche übernommen.
Jede Glocke besteht aus einer Metall-Legierung von 78% Kupfer und 22% Zinn. Diese gängige Legierung begünstigt, dass die Glocken in Schwingung geraten und den Ton in die Weite tragen.
Das Handwerk der Glockengiesser benötigt heute noch sehr viel Erfahrung. Als Termin für den Glocken-Guss wird traditionell der symbolträchtige Freitagnachmittag um 15.00 Uhr – die Sterbestunde Jesu Christi – gewählt.
Evangelisch-Frauenfeld rüstet mit
Auch die evangelische Kirchgemeinde Frauenfeld bestellte 1906 das Geläut bei der Giesserei Rüetschi, damit beide Glockenchöre harmonisch aufeinander abgestimmt werden konnten. Da war schon ein Hauch von Ökumene zu spüren….
Katholisches Geläut: B Des Es Ges b des
Evangelisches Geläut: As Des Es F as des
Am 27. April 1906 traf das katholische Geläut auf dem Schienenweg in Frauenfeld ein. Ein festlich geschmückter Vierspänner brachte die Glocken in Begleitung einer grossen Volksmenge zur Kirche.
Tod im Glockenstuhl
Bis 1929 wurden die Glocken von Hand mittels Seilen geläutet. Es waren mehrere starke Burschen für diese Arbeit nötig. Die Fahrlässigkeit der «Läutbuben» ging nicht immer glimpflich aus. Am 9. Mai 1907 geriet der junge Anton Riemensberger zwischen die schwingende grosse Glocke sowie den Glockenstuhl und wurde dabei getötet. Erst ab Dezember 1929 läuteten die Glocken mit elektrischem Antrieb. Das war eine Erleichterung für alle Beteiligten.
Erste Renovationen
Bei der grossen Renovation von 1967 wurde das kleine Messglöcklein, das bis dahin im kleinen Turm über dem Chor hing, als 6. Glocke in das Gesamt-Geläut integriert. Dabei wurden auch alle alten Holzjoche (Glockenaufhängung) durch metallene ersetzt. Die von Rost befallene Turmuhr, die seit über 70 Jahre im Betrieb stand und noch aus der alten Kirche stammte, versagte 1954 ihren Dienst. Daraufhin wurde eine elektronische Präzisionsuhr mit neuem Schlagwerk eingebaut.
Heute steuert ein moderner elektronischer «Glockenautomat», befestigt in der Sakristei, den Stundenschlag und alle programmierten, wiederkehrenden Geläute.
Welche Konfession hat Anrecht auf den ersten Stundenschlag?
Eine frühere Tradition besagt, dass jene Kirche und Konfession den ersten Stundenschlag erklingen lassen darf, die am meisten Kirchenbürger und -bürgerinnen vereint. In Frauenfeld schlagen heute die evangelischen Glocken die Zeit 45 Sekunden vor den katholischen. Über die letzten hundert Jahre war dies tatsächlich berechtigt. Heute sind die Mitgliederzahlen etwa gleich hoch.
Alle 25 Jahre wieder
Die Glocken-Klöppel jeder Glocke sollten etwa alle 25 Jahre ausgewechselt werden, da durch das viele Anschlagen das Eisen vom Klöppel immer härter wird und die Gefahr besteht, dass der Glockenklöppel mit der Zeit die Glocke zerschlägt.
Christof Kaiser, Leiter Hausdienst/Mesmerdienst,