Pfarreireise in die Lüneburger Heide
Über den zwei Seitenemporen der evangelischen Gemeindekirche in Wienhausen erstreckt sich eine vergitterte Holzbalustrade.
Anfangs Gottesdienst öffnen sich Holzgitterfenster, dahinter erscheinen schwarz gewandete Damen, mit Spitzenkragen, und fast scheint es, als gehörten die Gesichtsmasken mit zur Tracht. Nach der Liturgie schliessen sich die Gitter und die Frauen verschwinden im Nonnenchor. Ein prächtig ausgemalter Saal eines ehemaligen Zisterziernserinnenklosters, heute von einer lutherischen Frauengemeinschaft bewohnt…
Unsere Pfarreireise diesen Herbst liess uns gleichsam hinter die Gitter sehen und unerwartete andere Frömmigkeit hinter Klostermauern entdecken. In drei von sechs «Heideklöstern» empfingen uns geistliche Damen und führten ein in ihr Leben und durch ihre Klöster.
Die Zusammengehörigkeit aller Welt
Evangelische Nonnen leben «unbemannt»: als Ledige, Verwitwete oder Geschiedene. Oft erst nach der Pensionierung, und gelegentlich besucht von ihren Kindern, was in katholischen Ohren eher ungewohnt klingt. Manches in der lutherischen Liturgie hingegen tönte fast wohlvertraut: Es gibt und gäbe eine grosse Bandbreite, wie Christentum heute gelebt werden kann. Grad auch in Grossstädten wie Lüneburg oder Hamburg erlebten wir tagsüber Andachten mit erlesenem Orgelspiel – jenseits der klassischen Gottesdienstformen.
Auch baulich gab es einiges zu entdecken: Anbauten oder – noch moderner – Einbauten in Kirchen, die das Pfarramt und Gemeindeleben ganz nah an den Ort der Liturgie führten. Eine spezielle Entdeckung war die Eine-Welt-Kirche in Schneverdingen, seinerzeit ein Projekt der Expo Hannover. Eindrücklich das Altartriptychon wie eine Bibliothek, mit Erden aus aller Welt. Wichtig heute: die Zusammengehörigkeit aller Welt und, von den Nonnen immer wieder betont, die Zusammengehörigkeit aller Christinnen und Christen.
Thomas Markus Meier, Pastoralraumleiter