Claudia Steiger

Pfarreireise nach Kastilien-La Mancha und Andalusien

Pfarreireise 2022 - Granada (Foto: Thomas Markus Meier)

Als sich der neue Missionar der spanischsprachigen Mission, Don Javier, bei uns im Pfarreizentrum Klösterli vorgestellt hatte, meinte er, er stamme aus Toldo – das liege in der Nähe von Madrid.
Ich quittierte die Information so, früher hätte man umgekehrt formuliert: Madrid – das liege in der Nähe von Toledo. Noch heute residiert der Primas vom Spanien in Toledo, der alten westgotischen Hauptstadt des Landes... Und dort hat auch der altspanische Ritus überlebt, die «Mozarabische Liturgie». Auf unserer Pfarreireise besuchten wir eine mozarabische Eucharistie, eindrücklich der Wechselgesang, die Chorhälften eher sich überlappend, übersingend als pausierend abgesetzt. Und in den Texten manchmal unterschiedlich (consubstantialem Patri: eines Wesens mit dem Vater – hier griechisch formuliert wie am Konzil von Nicäa: omousion (to) patri; oder das Sanctus bekommt nach dem Hosanna in der Höher wiederum einen griechischen Zusatz: Hagios, hagios, hagios, Kyrie ho Theos…).

Lebendige Geschichte
Der Kantor/Organist befragte im Anschluss unsere Reiseleiterin Elena, wo die Gruppe her sei. Und Frauenfeld war ihm nicht unbekannt: Sein Bruder sei neu Spaniermissionar im Thurgau... Toledo im übrigen bekannt für seine Übersetzerschule unter König Alfons dem Weisen, wo Juden, Christen und Muslime arabische Texte in Latein oder Kastilisch übersetzten – griechisch-antikes Wissen dem Abendland übermittelten. Toledo auch die Wahlheimat von El Greco, sowie Residenz von Kaiser Karl V, in dessen Reich die Sonne nie unterging…

Ich habe bislang noch selten eine Reise mitgemacht/geleitet, da ich zuhause nachher ganz viel auf- und nacharbeiten wollte. Wenn Elena in der Capilla Real an den Grabmälern der Katholischen Könige Isabella und Ferdinand II von Kastilien und León vor unserem geistigen Auge lebendig erstehen liess, fast eine Netflixserie aufleben liess, mit dem Schicksal ihrer Nachkommen samt Doppelhochzeiten (Stichwort Johanna die Wahnsinnige, Philipp der Schöne) – da wuchs Lust, die Geschichte(n) wieder mal im Zusammenhang zu lesen…

Kathedralen-Einblicke
Im Zusammenhang lesen oder im Zusammenhang sehen: In Coroba, auf Facebook gepostet unter dem Stichwort «im Puppenstubenmodus», waren zwei Modelle zu bestaunen: Die Alhambra (Granada) und die grosse Moschee von Cordoba – wie sie einst aussah, bevor sie unter Karl dem V. zur Kathedrale wurde. Was er später bereut hatte… Immerhin: Durch den Einbau der Kathedrale blieb der Säulenwald der einst grössten Moschee immerhin in weiten Teilen erhalten, und man kann die Renaissance-Manierismuskirche doch auch als gute Einpassung wahrnehmen, die vielleicht eine spätere Zerstörung der Moscheereste verhindert hat.

Im Hintergrund meines Videoimpulses «Augen-Blicke» ist die «Moschee-Kathedrale» zu sehen… Eine Innenblick in eine Kathedrale wird ein anderer Videoimpuls schenken, die Kathedrale von Granada, der ersten Renaissance-Kathedrale Spaniens. Sie war nicht auf dem Programm, und ich passte die ersten Minuten nach der Öffnung ab, so dass der Raum noch hell, leer und still rüberkommt. Die grösste Kathedrale Spaniens allerdings, jene von Sevilla, durfte nicht fehlen, aufmerksame Blicke machten gar Papageien aus, die zwischen Orangenhain und Fassade umherflatterten.
Thomas Markus Meier, Pastoralraumleiter
Bereitgestellt: 13.05.2021      
aktualisiert mit kirchenweb.ch