Monika Leutenegger

Die St. Anna Kapelle – die Patronatskirche der Pfarrei St. Anna

St. Anna Kapelle Altarbild<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-frauenfeldplus.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>474</div><div class='bid' style='display:none;'>6179</div><div class='usr' style='display:none;'>41</div>

In Frauenfeld-Oberkirch steht neben der paritätischen Laurentiuskirche, die hauptsächlich bei Abdankungen genutzt wird, eine kleine Schwester: die St. Anna Kapelle.
Mancher wird sich schon gefragt haben, was das für ein Bau sei, und die Wenigsten werden sein Inneres je gesehen haben. Darum sei diese schöne, wenig genutzte Kapelle hier kurz vorgestellt. Der Laurentiuskirche war schon immer ein Kapellchen beigestellt, in dem die Gebeine aus den aufgehobenen Grabstätten nach mittelalterlicher Sitte aufbewahrt wurden. Gelegentlich wurde darin an einem der heiligen Anna geweihten Altar eine Messe gelesen. Der Raum diente nach der Reformation beiden Konfessionen hauptsächlich zur Unterbringung des Totengräbergeschirrs.

Das wundertätige Bild
In der St. Anna Kapelle zu Stammheim, das damals zur Landgrafschaft Thurgau gehörte, befand sich ein Bild mit der Darstellung des Sterbens Maria, «also solches grosse Wunder gewirkt und daher eine grosse Wallfahrt gewesen». Hans Heinrich Fehr, 1531–1547 Landammann im Thurgau, rettete dieses Bildnis in der Reformation vor der Zerstörung, brachte es zuerst nach Winterthur zu Verwandten und holte es «etlich Zeit später» (1541) nach Oberkirch ins alte Beinhaus. Das Bild brachte die Katholischen auf die Idee, das alte, baufällig gewordene Beinhaus aufzufrischen und als ihr Eigentum anzusprechen. Der katholische Schultheiss Dominikus Rüpplin (um 1620–1694) argumentierte, es sei ein katholisches Bild in der Kapelle, man habe katholische Geistliche darin bestattet und der Schlüssel sei schon immer in Händen der Katholiken gewesen. Landammann Ignaz Joseph Rüpplin liess 1686 «hinderruggs ein Altärli» aufstellen und löste damit einen 13 Jahre dauernden Streit aus, der 1699 mit einem Vergleich endete. Das Beinhaus wurde darin den Katholiken abgetreten, jedoch mit der Auflage, es nie zu vergrössern und nie ein Geläut darauf anzubringen.

Der Neubau
Noch während der Verhandlungen liess Rüpplin 1697 unter Protest der Reformierten eigenmächtig das Beinhaus abbrechen und eine neue Kapelle aufrichten, möglicherweise nach Plänen des Einsiedler Klosterbruders und Architekten Caspar Moosbrugger (1656–1723), der damals in der Umgebung (Freudenfels, Kalchrain, Insel Werd) zu tun hatte. Gesichert ist Moosbrugers Autorschaft am Altar, der nun das alte Marientod-Bild aus Stammheim aufnahm und durch Bilder des heilige Joseph und der heiligen Anna flankiert wurde. An den Seitenwänden reihten sich in stuckierten Rahmungen zehn Leinwandbilder eines unbekannten Malers mit Szenen aus dem Marienleben. Die gesamten Baukosten von 738 Gulden spendeten die Familien Rüpplin, Engel, Locher und Rogg. Die Einweihung fand 1698 statt, wie eine lateinische Inschrift innen über der Eingangstür bezeugt. Sie lautet auf Deutsch: «Im Jahr 1698 haben der Rat und die Bürgerschaft von Frauenfeld diese Kapelle aus einem alten Beinhaus errichten und zu Ehren des glorreichen Todes der Jungfrau und Mutter Maria sowie des heiligen Joseph und der heiligen Anna am 20. Mai weihen lassen.»

Die Annakapelle diente nun dem Pfarrer, der bis 1872 in Oberkirch wohnte, als Privatkapelle. Als dieser aber ins Klösterli umzog, geriet sie in Vergessenheit. Anlässlich einer Umgestaltung des Friedhofs schlug der Gemeinderat 1909 vor, das unnütze Bauwerklein abzutragen. Dieser Angriff weckte das Interesse an der Kapelle. 1911 wurde unter Leitung des Architekten Albert Rimli der gesamte Bau saniert, wobei der heutige glockenlose Dachreiter aufgesetzt wurde. Eine Renovation des Gebäudes erfolgte 1960. 1987 wurden alle Bilder von einem Restaurator überholt. Heute ist die St. Anna Kapelle die Patronatskirche unserer Pfarrei.
Angelus Hux


St. Anna Kapelle in neuem Glanz
In den letzten Wochen waren Restauratoren damit beschäftigt, dem Kleinod in Frauenfeld Oberkirch seine Schönheit wieder zurückzugeben. Feuchtigkeit und Staub der letzten Jahre hinterliessen ihre Spuren an Decke, Wänden, Bildern und Altar. In sorgfältiger Feinarbeit wurden gelöste Farbschichten und Blattvergoldungen an der Decke fachgerecht zurückgeklebt und befestigt; Risse und Stuckfehler ausgebessert. Mit Pinsel und Granulat wurden Decke und Wände gereinigt und der Pilzbefall bekämpft. Die Leinwandbilder und das Altarbild, das Mariens Tod darstellt, wiesen leider ebenfalls starken Pilzbefall auf. Sie alle wurden sorgfältig gereinigt und ein Fungiziddepot wurde angelegt, um einen erneuten Befall hinauszuzögern.

Jetzt, da das Patronatskirchlein unserer Pfarrei wieder einladend erscheint, nutzen Sie diesen schlichten Ort zur Einkehr. Die Öffnungszeiten sind täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr.

Markus Beerli
Kirchenvorsteherschaft FrauenfeldPLUS
Ressort Liegenschaften








Bereitgestellt: 01.04.2019      
aktualisiert mit kirchenweb.ch