Kunstfahrt 2023 - Kraftort Falera
Die Kunstfahrt 2023 führte uns am Samstag, 16. September zu einem besonderen Kraftort nach Falera (GR) zur St. Remigiuskirche auf einer prachtvollen Aussichtsterrasse – einmalig für die Schweiz aber die Sonnenkultstätte auf der "Mutta" (Hügelkuppe).
Es wurde auch schon das Stonhenge der Schweiz genannt:
Der Sonnenkultplatz auf der Mutta in Falera.
Unsere Kunstfahrt besuchte die Aussichtsterrasse über dem Vorderrheintal mit einer Kultstätte, die 3500 Jahre zurückreicht, sowie die Remigiuskirche mit der schiffsförmigen (Arche Noah!) Friedhofsmauer dort. Heilige Orte lösen sich oft ab.
Die Sonne wird die Wahrheit an den Tag bringen – diese Erfahrung spiegelt auch die Bibel. Etwa mit dem Untergang von Sodom und Gomorrha bei Sonnenaufgang. Es werde die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, verheisst der Prophet Maleachi. Aber auch der Tempel in Jerusalem, wo Gott im Dunkel wohnen wollte, steht wohl an jenem Platz, wo vor David ein jebusitisches Sonnenheiligtum stand. Heilige Orte lösen sich oft ab.
Hell und Dunkel, Sonne und Schatten
Der Missionar des Churer Rheintals, der legendäre St. Luzius, der «Leuchtende», liegt verborgen im Dunkel einer (vor-) karolingischen Ringkrypta.
Auf der Rückfahrt besuchten wir das Seminar St. Luzi mit einer kurzen Hausführung: Von Dunkel der Krypta bis zur horizontöffnenden modernen Dachterrasse. Heilige Orte und ihr architektonisches Wachstum…
Rückblick – Morgenstern der finstern Nacht
Als eine der Sünden Salomos galt, dass er die Astarte, Göttin der Venus, verehrt habe. Dem nach der Sonne hellsten Stern, der Venus, begegneten wir mutmasslich auch an der diesjährigen Kunstfahrt. In Falera wurde eine lange Nadel entdeckt, die höchstwahrscheinlich die Phasen der Venus abbildet. Die Venus, der Morgenstern, hat unterschiedliche Phasen: Mal geht sie der Sonne, eben als Morgenstern, voran – ein andermal jedoch taucht sie nach der Sonne auf, als heller Abendstern. Wer weiss, ob sich das auch im Choral «Wie schön leuchtet der Morgenstern»
spiegelt? In der ersten Strophe wird der Messias besungen als Morgenstern, aus Juda aufgegangen.
In der letzten Strophe sodann wird Christus nicht mehr zum Stern, der die Sonne ankündigt, sondern zur Sonne selber, zum A und O, Anfang und Ende. Schon in der Offenbarung des Johannes (Apk 22,16) spricht der Heiland von sich changierend als Wurzel und Stamm Davids, sowie als Morgenstern. Vielleicht ein Bild dafür, dass wir Christus nicht festnageln sollen auf nur ein Bild, auf meine eigene Vorstellung. Gerade in Zeiten, die mehr nach Sonnenuntergang gemahnen als den Ostermorgen, kann Christus vielleicht ebenso als Abendstern trösten: Dass, auch wenn es Nacht wird, unsere Welt unter einem guten Stern steht.
Thomas Markus, Meier, Pfarreiseelsorger